Comic-Ausstellung "From Girls to Grrrlz" im Künstlerhaus
Von der "Young Romance" zu "Tits & Clits"

von Marko Schacher


Fallen die Stichworte "Comic" und "Frauen", denken die meisten an Wonder Woman oder Lara Croft. Dass das angeblich schwache Geschlecht nicht nur in eng angliegenden Superheldinnen-Kostümen sondern auch hinter dem Zeichentisch eine elementare Rolle spielt, wurde bisher zu wenig beachtet – meint zumindest Trina Robbins. Die von der amerikanischen Comic-Zeichnerin und -Autorin für das Künstlerhaus Stuttgart konzipierte Ausstellung "From Girls to Grrrlz" verspricht Einblicke in "Eine Geschichte des amerikanischen Frauencomics".

 

In den 50ern war die Comic-Welt noch in Ordnung. Die Heldinnen hießen "Cindy", "Ginger", "Hedy" oder "Candy" und waren genauso entzückend, wie es ihre Namen erahnen lassen. Ihr Glück fanden sie an der Schulter ihres Traummanns und ihre Bestimmung am Herd. Trina Robbins grinst: "Die Geschichten hießen natürlich ,Falling in love' und nicht ,A Lifetime as a Housewife' ". Die Serie "Young Romance" verkaufte damals pro Ausgabe über 1 Million Exemplare an pausbäckige Teenies.

In den 60er wurden die Frauengestalten modernisiert. "I must leave you, my darling, because no man is my master", eröffnet eine junge Dame ihrem Partner auf dem Cover eines Comics. Die Emanzipationsbewegung ist in die Comic-Strips geschwappt. Bloß – so Robbins: "Leider wußten die Zeichner, meist alte Knacker, nicht, wie sie das Thema behandeln sollten."

Die Frauen wußten sich selbst zu helfen. Joyce Farmer und Lyn Chevely schufen 1972 die Reihe "Tits & Clits", und zehn Frauen aus San Francisco gründeten das "Wimmen's Comix Collective". Themen wie weibliche Sexualität, Homoerotik oder Abtreibung wurden nicht mehr ausgeklammert. Nach der Krise der Achtziger, in der viele Serien eingestellt wurden, erfreuen sich aktuelle Serien wie Roberta Gregorys "Bitchy Bitch" oder Julie Doucets "Dirty Plotte" großer Beliebtheit. Ein trotziges "Grrrlz" im Titel mancher Serie soll wohl die männlichen Zeichner wohl abhalten, jemals wieder niedliche "Girl"-Comics zu ersinnen.

Mittels Comicheften und einigen Original-Zeichnungen und Schrift-Tafeln gibt Robbins dem Besucher des Künstlerhauses einen Überblick über die Enrtwicklungen. Leider fehlen bei den präsentierten Heften meist die Jahreszahlen, und auch eine aussagekräftige Zeitleiste sucht man umsonst. Dafür warten auf dem Büchertisch zahlreiche Comics auf neugierige Leser. Und ein Schmankerl gibt es auch: einen "Bilder-Duden" von 1970 und einen von 1992. Während in der abgebildeten Küche von 1970 noch eine Hausfrau am Kühlschrank steht, ist diese 1992 durch eine Mikrowelle und einen Toaster ersetzt worden.

Dieser Text basiert auf meinem Artikel in den Stuttgarter Nachrichten

 

From Girls to Grrrlz, Künstlerhaus Stuttgart
Reuchlinstr.4b, Stuttgart
noch bis zum 20.7.01, Di-Fr 15-19 Uhr

Ausstellungs-Site:
http://www.kuenstlerhaus.de/bv/index1.html

www.trinarobbins.com
www.friendsoflulu.com

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