Viel Lärm um nichts (Teil 5)
Big Brother Spezial: Interview mit Zlatko

von Marko Schacher


42 Tage im Container haben Zlatko Trpkovski aus der schwäbischen 6000-Seelen-Gemeinde Nattheim bei Heidenheim berühmt gemacht. Inzwischen hatte der gelernte Automechaniker mit “Ich vermiss dich wie die Hölle” und “Großer Bruder” zwei Top-Ten-Hits, macht für eine Biermarke und eine Internet-Zeitschrift Werbung und wohnt in Köln. Am 2. März stellte sich “Sladdi” neben Rudolph Moshammer, Wolf Mahn, Michelle und acht weiteren Kandidaten der deutschen Vorausscheidung zum Grand Prix Eurovision 2001. Marko Schacher unterhielt sich mit dem 24-Jährigen im Vorfeld des Sangeswettbewerbs.


Mal ehrlich: Guckt jemand von euch wirklich noch regelmäßig “Big Brother”? Trotz eingeschleustem Maulwurf, trotz Sauna-Bereich, trotz großzügiger Kopulier-Landschaft und aller kurzzeitig zur Verfügung gestellten Wasserbetten ist die dritte Staffel der Container-Soap so langweilig wie nie zuvor. Mittels Wochenaufgaben werden die Bewohner in hautenge Eislauf-Kostüme und Dessous aus Süßigkeiten gezwungen, mittels Belohnungen in Form von Karaoke-Maschinen und Alkohol wird krampfhaft versucht, etwaige Hemmschwellen abzubauen. Doch alles hilft nichts: uncharismatische und langweilige Bewohner bleiben einfach uncharismatisch und langweilig – trotz Reizwäsche und Vollsuff.

Wie gern erinnern wir uns doch an Zlatko “The Brain” Trpkovski aus der ersten, guten alten “Big Brother”-Staffel. Mit seinem wahrlich grauenhaften Gesang, müden Gesten und der Publikumsbeschimpfung “Dankeschön, ihr Kotzköpfe” machte sich Sladdi bei der Vorausscheidung zum Grand Prix 2001leider keine Freunde. Als Nachwuchs-Philosoph und Prolo ist Sladdi jedoch unschlagbar – wie folgendes Telefon-Interview beweist:




Guten Tag Herr Schacher, hier ist Zlatko

Hallo. Schon ein komisches Ding so ein Telefoninterview - da muss ich mich erst daran gewöhnen...

Wieso?

Nun, das ist - glaube ich - erst mein zweites Telefoninterview...


Bei mir ist es - glaube ich - das zweitausendste.

Kann ich mir denken. Ich finde es komisch, wenn man seinem Interviewpartner nicht persönlich gegenüber steht. Du kommst ja aus der Nähe von Stuttgart - insofern wäre es ja ganz nett gewesen, wenn wir uns persönlich getroffen hätten...

Ja, ja Stuogart kenn ich gut - woher da genau?

Ich telefoniere aus meiner Wohnung im Stuttgarter Osten...

So, so Stuogoarter Oschte. Da kennscht Du Geislingen au.

Klar.

In Geislingen hab ich einen sehr guten Freund. Ich selbst komme ja aus Heidenheim.

Ja, ich weiß. Deshalb warte ich ja darauf, dir mal auf der Stuttgarter Königsstraße beim Shoppen zu begegnen. Aber ich glaube die Chance gibt es wieder in zehn Jahren...

Auf der Königsstraße war ich erst vor zwei Monaten, als ich “Die 3. Generation” besucht habe. Wir verstehen uns super geil, waren in einem Döner-Laden und haben viel Gaudi gemacht. Ich war halt in bißchen vermummt, hatte einen Hut und eine Brille auf, und trotzdem haben mich viele erkannt.

Die Band “Die 3. Generation” ist ja bei einer Stuttgarter Agentur unter Vertrag. Wieso bist Du bei einer Kölner Agentur?

Die Agentur wurde von Endemol ausgesucht. Ich selbst hatte da nichts mit zu tun.

Mit “Einer für alle” trittst Du gegen Moshammer & Co an. Als Komponisten und Texter sind wieder Bob Arnz und Christoph Siemons angegeben...

Nicht zu vergessen: ich selber

Das wollte ich gerade fragen. Hattest Du selbst Einfluß auf das Lied?

Ja, natürlich. Ich muß ja zum dem Song stehen. Ich singe ja für Deutschland. “Einer für alle” bedeutet “Ich für Deutschland, ich für meine Fans”. Deshalb wollte ich diesmal einen Text haben, zu dem ich stehen kann, den ich voll interpretieren kann, den ich so wiedergeben kann, wie ich mich fühle. Von daher habe ich gesagt: “Jungs , so geht das nicht, ich muß der Texter sein”. Letztendlich habe ich 60 bis 70 Prozent vom Text selbst gemacht.

Kennst Du die anderen Beiträge zur Grand-Prix-Vorentscheidung bereits?

Ich hab mich bisher nicht so sehr damit beschäftigt, wenn ich ehrlich bin. [Anmerkung der Redaktion: Das Interview fand am 2.Februar statt] Das einzigste was ich immer hör, ist “Mosi”. Und zu Moshammer kann ich eigentlich nur sagen: Ich hab den Menschen noch nicht persönlich kennengelernt, und ich bin ein Mensch, der sich nicht über andere äußert, wenn er sie nicht kennt. Ich weiß nur eins: Das was ich von ihm im Fernsehen gesehen habe, kam immer sympathisch rüber. Wie seine Chancen beim Grand Prix sind, kann ich weniger sagen. Ich denk mal nicht, dass er seine “Daisy” mit auf die Bühne nimmt, und ohne “Daisy” ist Moosi nur halb so viel wert. Deshalb rechne ich seine Chancen nur halb so hoch aus.

Wie rechnest Du dir deine Chance aus – mal ganz ehrlich?

Ganz ehrlich: sehr gut, sonst würde ich nicht teilnehmen.

Hat Du dir bei Stephan Raab Tipps geholt?

Nee, brauch ich nicht, ich bin Zlatko, und Zlatko denkt immer so wie er selber denken will. Ich lass mich von keinem verbiegen und mir von niemandem Tipps geben, sondern ich zieh mein Ding durch, wie bisher auch, frei nach Schnauze. Sollte es klappen, klappts. Sollte es nicht klappen: Es gibt nicht nur Sonne im Leben, man muß auch den Schatten verkraften können.

Ja, ja, diesen Satz hat Du schon öfters im Fernsehen geäußert - er scheint dir wirklich etwas zu bedeuten...

Der Satz bedeutet mir sehr viel, weil er das Leben widerspiegelt.

Laut “Big Brother – die Reportage” bist Du “inzwischen fester Bestandteil der Popszene Deutschlands”. Siehst du das genauso?

Aha.

Hast Du das noch nicht gewußt?

Nee. Ich selbe sehe mich eigentlich nicht als Star, nicht als Popszene, sondern höchstens als Person des öffentlichen Interesses. Um Bestandteil der Popszene zu sein, denk ich mal, braucht man länger als zehn Monate.

Hast Du nicht das Gefühl, im diesem ganzen Endemol-Zirkus eine Art Spielball zu ein?

Ich hatte noch nicht das Gefühl, ein Spielball zu sein, weil ich im Endeffekt selber entscheiden kann, auf was ich Lust habe, und worauf ich keine Lust habe. Ich werde von niemandem zu etwas gezwungen. Sollte dieses Gefühl allerdings aufkommen, bin ich der erste, der “Tschüss” sagt.

Bei deinem Besuch im BB-Haus und beim letzten Auftritt bei Harald Schmidt wirktest Du sehr gezähmt und längst nicht so frech wie früher...

Man muß einsehen: Wenn man in diese Mediensache hineinwächst, kann man nicht mehr 1oo Prozent so sein, wie man selber ist. Ab und zu kommt es automatisch, dass man in irgendetwas hineinwächst, was man gar nicht zu 100 Prozent will. Man kann ja auch nicht seinem Chef auf den Tisch hauen und “Halts Maul” sagen. Verstehste. Irgendwo muß man auch zurückstecken. Manchmal ist das auch gefühlsbedingt bei mir. Im Haus war ich schon irgendwie ich selber, weil ich wieder ganz normal vom Kacken erzählt habe. Am Tag bei Harald Schmidt ging es mir sowieso beschissen, weil ich kurz zuvor diese Operation mit dem Fettansaugen hatte. Man darf das nicht auf eine Goldwaage legen und denken “Der ist nicht mehr so”, sondern das ist situationsbedingt gewesen.

Gibt es Situationen, Auftritte, Interviewsätze, die Du im nachhinein bereust?


Nee. Ich sage immer das, was ich denke und hatte damit bisher auch kein Problem.

Gibt es einen Unterschied zwischem dem Zlatko auf der Bühne und dem Zlatko im realen Leben?


Das ist schwierig zu sagen, denn im privaten Leben bin ich privat, und im wahren leben bin ich halt doch nicht mehr privat – das ist schwer zu argumentieren - wirklich. Aber es unterscheidet sich nicht großartig.

Kommst momentan noch dazu, “Big Brother” zu gucken?

Nee, gar nicht. Ich hab auch – wenn ich ehrlich bin – gar kein großen Bedürfnis dazu.

Von Journalisten wirst Du sicherlich oft mit Michael aus der aktuellen “Big Brother”-Staffel verglichen...

Meiner Meinung nach ist Michaels Coolness eher gespielt. Das hat man auch bei Christian aus der zweiten Staffel gesehen. Man kann mich nicht mit anderen vergleichen. Ich war bei Michaels Einzug vor Ort und hab zufällig mitbekommen, wie Alexandra Bechtel ihm gesagt hat “Oha, hast ja ein geiles Sixpack auf dem Bauch”, und er nur gemeint hat “Nein, Achtpack” – so einen Satz würde ich nie sagen, auch wenn ich eins besitzen würde.

Es ist diesmal ja jetzt ein Pärchen zusammen ins Haus gezogen...

Ich selbst hätte damit kein Problem gehabt. Die Frage ist nur, ob meine Freundin da gut gefunden hätte. Da sie die Medien hasst, glaube ich nicht, dass sie mit ins Haus gegangen wäre.

Besteht die Beziehung noch? Man hat lange nichts von euch gesehen...

Ja klar. Nur zeige ich mich öffentlich selten mit ihr - ihr zuliebe.

In Zeitschriften wie “Gala”, “Bild de Frau” oder “Die Bunte” wird viel über dich geschrieben, so dass viele Senioren genaustens über dein Leben Bescheid wissen. Das muß doch für dich ein komisches Gefühl sein...

Ja, das ist schon komisch. Aber gerade in diesen Zeitschriften wird auch vieles herumgedreht von wegen “Der Assi-Typ - der hat doch sowieso nix in der Glocke”. Das finde ich eigentlich das Traurige an der ganzen Geschichte. Letzte Woche habe ich trotzdem einen Fan-Brief von einer 60jährigen Frau bekommen, die mir geschrieben hat, dass sie mich gerne als Enkel hätte. So etwas bewegt mich.

Deine Pläne für die Zukunft?

Die Reise-Sendung mit Jürgen war sehr erfolgreich: 4,4 Millionen Einschaltquote. Wir machen jetzt noch mal eine Probesendung. Wenn die annähend so gut läuft wie die erste, geht das Ding in Produktion.

Angenehm, so ein bezahlter Uralub - oder?

Nun, was soll ich sagen? Es ist schön, verschiedene Kulturen kennenzulernen, aber es ist auch harte Arbeit, an sieben Tagen zwölf Stunden vor der Kameralinse zu stehen.

Warum gab es kein “Zlatkos-Welt-Grand-Prix-Special”?

Da liegst Du gar nicht so falsch. An so ein Special war auch gedacht, nur hatte ich da null Bock drauf.

Eure Webpage könntet ihr mal aktulisieren. www.zlatkos-welt.de ist auf dem Stand von November 2000. Auch die anderen Fans-Seiten sind ziemlich verwahrlost...

Ganz am Anfang hab mich für diese Pages sehr interessiert, aber seit langer Zeit hab ich nicht mehr den Nerv und den Kopf dazu. Ich werde es aber an meinen Kumpel Ahmed weiterleiten, dass der sich drum kümmert.

Aha, gibt es den auch noch?


Natürlich. Ich bin sehr stolz auf ihn. Ahmed hat mir den nötigen Halt gegeben.

Wie sieht das momentan aus: Wohnst Du noch zu Hause in Nattheim?

Ich wohne seit sechs Monaten fest in Köln. Ich versuche aber möglichst oft, meine Familie zu sehen.

Letztes Jahr hast Du kurzfristig deine Tournee abgesagt – wird die nachgeholt?

Die Tournee mußte ich absagen, weil sich die Konzerte mit meinem Film überschnitten haben. Der Kinofilm war mir aber wichtiger. Jetzt ist der Grand-Prix dazwischen gekommen. Danach machen wir aber ein neues Album und eine neue Tour.

Ich beobachte dein Schaffen sehr genau. Meine “Big Brother”-Rubrik bei www.medienkultur-stuttgart.de gehört zu den meistgelesensten Seiten..

Sind das auch schöne Sachen, die da über mich drinstehen?

Schöne und weniger schöne Geschichten.

Was heißt “weniger schöne”?

Ich sehe diesen Big Brother-Hype schon sehr kritisch. Hauptsächlich geht es Endemol doch um die Vermarktung. Wie es den Leuten geht, ist ihm doch egal.

Wie heißt deine Seite nochmal?


www.medienkultur-stuttgart.de. Du kannst mir gerne auch ein Feedback mailen.

Kein Thema. Wenn mir was dazu einfällt, werde ich dir was mailen.

Also, paß auf dich auf, mach's gut, bleib wie Du bist.

Mach ich. Tschau.



Zlatkos Webpage:
www.zlatkos-welt.de

Zlatkos Film:
www.mr-boogie.de

Die offizielle BB-Seite:
www.bigbrother.de

Die offizielle Grand-Prix-Seite (mit Zlatko-Kurzinterview):
www.ndrtv.de/grandprix


"Viel Lärm um nichts" (Teil 1):
www.medienkultur-stuttgart.de/thema02/2archiv/news1/mks-1-bigbrother.htm

"Viel Lärm um nichts" (Teil 2):
www.medienkultur-stuttgart.de/thema02/2archiv/news2/mks_2_00_bigbrother.htm

"Viel Lärm um nichts (Teil 3):
www.medienkultur-stuttgart.de/thema02/2archicv/news4/mks-3-bigbrother.htm

“Viel Lärm um nichts” (Teil 4):
www.medienkultur-stuttgart.de/thema02/2archicv/news4/mks_4_bigbrother4.htm

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