Kunst mit Felgen dran?
Das Symposium "Kunststadt Stuttgart" im Hospitalhof
von Marko Schacher
Um die anstehenden Konsequenzen der von Studierenden der Universität
Stuttgart erstellten "Kunststadt Stuttgart"-Studie zu verwirklichen,
hat Hospitalhof-Leiter Helmut A. Müller das Symposium "Kunststadt
Stuttgart" initiiert und als Impulsgeber von außen Frank Mussmann,
den Präsidenten der Offenbacher Hochschule für Gestaltung, und
den Düsseldorfer Kulturdezernenten Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff
eingeladen. Marko Schacher war dort.
Eines vorneweg: Entscheidende Schritte konnte auch das
Symposium "Kunststadt Stuttgart", das die gleichnamige, von
Iris Jana Magdowski in Auftrag gegebene Kunststudie zum Anlaß für
konkrete Überlegungen nahm, nicht erreichen. Aber es wurde Tacheles
geredet. Die mangelnde Vernetzung der hiesigen Kunstszene und die Mängel
auf städtischer Seite wurden unverblümt ausgesprochen.
Mit dem Satz Die beste Förderung junger Kunst ist das Kaufen
von Kunst - Kaufen, Kaufen, Kaufen hatte der Düsseldorfer Kulturdezernent
Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, die anwesenden Galeristen und Künstler
auf seiner Seite. Die von ihm stolz vorgetragenen Beispiele der Städtischen
Kunstförderung in Düsseldorf - Stipendien, Förderpreise,
freie Platzgestaltung durch Pflanzen- und Lichtkunst, Vernetzung von Schulen
und Künstlern - sorgten für große Augen.
Marianne Eigenheer, Professorin an der Stuttgarter Kunstakademie, veranschaulichte
anhand bestehender/bestandener Kooperationen beispielsweise mit
der Musikhochschule und dem Olga-Hospital - ihre Bestrebung, vom
Elfenbeinturm herunterzukommen und propagierte die Entwicklung neuer,
projektbezogener Studiengänge, in denen die Studierenden zum Beispiel
die Durchführung einer Ausstellung lernen sollen oder die Beziehungen
zwischen der Kunst und der Biologie und Technologie kennenlernen können.
Andreas Jürgensen, seit 1.Januar Leiter des Württembergischen
Kunstvereins, betonte die Bedeutung von ortsgebundenen Installationen
und Kommunikationsbrücken. Zudem forderte er: Wir Kunstwissenschafler
müssen wegkommen von dem Monopolanspruch, die Kunst zu interpretieren.
Der Besucher muß die Informationen selbst konfigurieren können.
Ein Schritt in diese Richtung hat Jürgensen bereits getan: Zur aktuellen
Ausstellung von Kendell Geers liegen diverse Interviews und Kurztexte
aus, die der Besucher bei Interesse mitnehmen kann.
Die Ausführungen von Michael Sturm glichen einem Manifest der Stuttgarter
Galeristen. Tenor: Wir wollen, dass die Galeriearbeit als kulturtragende
Tätigkeit anerkannt wird. Zudem forderte er unterstützt
durch seinen Kollegen Reinhard Hauff - mehr Interesse und Unterstützung
von der Stadt, den Kulturinstitutionen und die örtlichen Medien.
Sein persönlicher Wunsch: das wenigstens einmalige Auftauchen eines
Vertreters der Stadt in seiner Galerie
Vor der Kommunikation nach außen, müsse erst einmal die interne
Kommunikation glücken, meldete sich Galerist Sven Oliver Ahrens zu
Wort. Jeder pflegt hier sein eigenes Gärtchen, wußte
Marianne Eigenheer. Und eine Besucherin machte das Faß mit den Mentalitäts-Klischees
vollends voll:
Vielleicht müsste man die Kunst auf Räder stellen und
Felgen dran machen.
Um Nägel mit Köpfen zu machen, faßte Moderator
Helmut A. Müller die genannten Punkte tapfer auf einem Papier zusammen
und initiierte kurzerhand einen Arbeitskreis Kommunikation,
zu dem sich die Galeristen Jörg-Dieter Walz und Hanns-Michael Rupprechter
und der Künstler Claude Wall meldeten. Bereits bei der nächsten
Arbeitsgruppe Kooperation flachte das Interesse jedoch wieder
ab, zumal Kulturamtsleiter Ostberg auf die Überflüssigkeit einer
solchen Truppe anläßlich des angegangenen Projekts Vielfaches
Echo 2 hinwies.
Schade, dass die an Kunststudie beteiligten Studenten und Dozenten allesamt
durch Abwesenheit glänzten. Schade, dass man nicht die Gelegenheit
genutzt hatte, den Ex-Leiter des Württembergischen Kunstvereins,
Martin Hentschel, ins Podium zu setzen, um die Karten offen auf den Tisch
zu legen. Schade auch, dass sich Müllers Wunsch, am Ende des Symposiums
möge klar sein, welche Richtung politisch verfolgt wird, nicht erfüllt
hat. Iris Jana Magdowski versprach zwar, dass die Vorschläge in den
Kulturausschuß eingebracht werden, hielt sich ansonsten mit konstruktiven
Aussagen zurück. Marianne Eigenheer brachte es auf den Punkt: Reden
ist schön, aber am besten, man tut was.
Der Text basiert auf einem Artikel in den Stuttgarter Nachrichten vom
15.2.01