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"Substantiell ist
hier sehr wenig passiert"
Interview mit Ulrich Wegenast von Wand 5
von Marica Maric
Zum 14. Mal fand der Stuttgarter Filmwinter, eines
der international renommiertesten Festivals für Kurz- und Experimentalfilm
sowie Neue Medien statt. Initiator und Organisator des Festivals ist Wand
5, ein Verein zur Förderung der unabhängigen Film- und Medienkultur.
Rechtzeitig zum Festival stellten input-design
und feuersee
die neuen Internetauftritte von Wand 5 und Filmwinter online. Marica Maric
nahm dies zum Anlaß und sprach mit Mitbegründer Ulrich Wegenast
über aktuelle Projekte.
<input:) design hat gerade den neuen Internetauftritt
für Wand 5 und den Stuttgarter Filmwinter gestellt. Was ist neu an
der Website?
Ich denke, es war einfach wieder Zeit für einen neuen
Internetauftritt. Wir haben 1995 unsere erste Website ins Netz gestellt.
1998 haben wir sie dann nochmals umgebaut. Die Website war dann aber von
den Features her nicht mehr das, was wir wollten. Wir arbeiten jetzt mit
einem diverenziertem Redaktionssystem und gliedern gerade eine Verleih-Datenbank
ein. Da die Leute die Infos nun online abrufen können, müssen
wir keine Mailings mehr verschicken - was natürlich auch eine Geldfrage
ist.
Kontextuell sind wir international verankert, und es ist wichtig, die
internationalen Kontakte zu pflegen. Als Forum bietet sich da natürlich
der Online-Bereich an. Ich denke, dass man seine Website regelmäßig
auf den neuesten Stand bringen muß. Wir können es uns nicht
leisten, das jedes Jahr zu tun, aber alle zwei Jahre sollte das schon
passieren. Derzeit sind wir dabei, den Verleih auszubauen. Wir möchten
uns dabei nicht nur auf die Medien Film und Video beschränken, sondern
Installationen und andere Arbeiten hinzufügen. Wir veröffentlichen
in unregelmäßigen Abständen Editionen, meistens Video-Editionen
- manchmal auch kleinere Publikationen.
Außerdem haben wir auch mit Consulting zu tun. Wir bieten das nicht
explizit an, es ist aber so, dass immer wieder Wirtschaftseinrichtungen
oder andere Kulturveranstalter auf uns zugehen und beispielsweise um die
Herstellung von Kontakten bitten. Wir sind jedoch keine professionellen
Consulter. Unser Ziel ist auch, den Newsletter auszubauen, der hauptsächlich
über die Aktivitäten von Wand 5 berichten soll. Dieser ganze
Online-Bereich soll stärker erweitert werden.
Was jetzt als Projekt anläuft, ist das Movo-Net - eine Streaming-Media-Datenbank,
die jetzt im Filmwinter als offene Plattform für Video eingerichtet
wurde und ausgebaut werden soll. Ein Problem von Netzkultur ist leider
oft, dass Projekte angestoßen werden, um dann wieder nach einem
Jahr einzuschlafen. Wir haben 1996 schon einmal eine Online-Datenbank
für den Bereich Film eingerichtet. Die Datenbank haben wir dann nach
Sachsen-Anhalt in ein Kulturzentrum gegeben, das sich nun weiter um die
Pflege und den Aufbau kümmert. Es ist uns wichtig, dass die Projekte,
die wir anstoßen, auch eine Zukunft haben. Hauptinitiator von movo.net
ist Jens Gebhardt. Wir fanden die Idee einer offenen Datenbank sehr gut,
da unsere eigene geschlossen ist. Das Projekt bietet die Möglichkeit,
ein offenes und interaktives Forum zu schaffen. Mal sehen, wie dynamisch
sich die Sache entwickelt.

Was tut sich derzeit hinsichtlich des Filmhauses und des
von Euch vorgeschlagenen Projektes Mediaspace?
Wir sind seit 1997 im Filmhaus. 1996 haben wir im noch nicht umgebauten
Filmhaus den achten Filmwinter organisiert. Im ersten Jahr haben wir schon
gemerkt, dass der Bau nicht optimal genutzt wird. Den unteren Raum wollten
wir in eine Art Medienraum umwandeln. Wir haben Mitte 1998 das Konzept
Mediaspace vorgestellt. Dieses wurde vom Gemeinderat sehr begrüßt.
Natürlich ist dieser Mediaspace mit Kosten verbunden. Wir sind eigentlich
bekannt dafür, dass wir sehr viel Eigenmittel akquirieren. Aber einen
solchen Medienkunstraum können wir nicht selbst finanzieren. Wir
haben einen Kostenvoranschlag abgeliefert, und seit dem herrscht sozusagen
Schweigen im Walde.
Wir haben dann nochmals ein neues Konzept vorgelegt, das ebenso begrüßt
wurde - passiert ist
trotzdem nichts. Jetzt gibt es diese Umbaulösung im Filmhaus mit
dem kleinen Mediaspace in Saal 2, aber das ist letztendlich nicht das,
was wir wollten. Bestimmte kleinere Veranstaltungen kann man sicherlich
im Saal 2 machen, aber für größere Installationen oder
Ereignisse ist der Raum nicht geeignet. Dementsprechend weisen wir nach
wie darauf hin, dass wir diesen Mediaspace in einer bestimmten Dimension
haben wollen. Mittlerweile tut sich Interessantes in Berlin auf. Wir haben
das Angebot von einer Firma, dort etwas Ähnliches zu installieren.
Unser Verleih ist schon in Berlin, weil wir im Filmhaus keinen Platz bekommen.
Wir werden weiterhin den Filmwinter in Stuttgart machen und ebenso auch
andere Veranstaltungen organisieren. Wir sind aber auch sehr geschmeidig
und flexibel. Wir haben seit drei Jahren ein Konzept, bringen viel Eigenleistung,
bieten es der Stadt an, und es tut sich nichts. Es ist verständlich,
dass man dann in Betracht zieht, dort hinzugehen, wo man die entsprechenden
Möglichkeiten bekommt.
Während des Filmwinters findet die Reihe "XML-expanded media
lounge" statt. Soll das Projekt fortgesetzt werden?
Die Reihe soll fortgesetzt werden. Aber solange wir im Filmhaus nicht
die räumlichen Gegebenheiten haben, kann das nur im Rahmen des Festivals
passieren. Solche Dinge werden wir sporadisch - wie wir das bisher gemacht
haben - initiieren. Wir werden immer wieder kleinere Veranstaltungen machen
- aber das ist natürlich nicht das, was wir wollen. Wir wollen einen
kontinuierlich frequentierten Medienraum haben. Dort soll dieser Diskurs,
der während des Filmwinters auf internationaler Ebene stattfindet,
regional verankert werden.
Welche Bedeutung hat Stuttgart als Medienstandort?
Es gibt sicher das ein oder andere in Stuttgart, das interessant ist.
Substantiell ist aber sehr wenig passiert, um die Stadt als Medienstandort
bezeichnen zu können. Man hat mit der MFG die nötigen staatlichen
Voraussetzungen auf Länderebene geschaffen, vertraut jedoch zu wenig
auf die eigenen Kräfte. Stuttgart setzt vielmehr auf äußere
Energien. Das ist der Grund dafür, dass hier relativ wenig organisch
gewachsen ist. Man müßte versuchen, die Leute, die ohnehin
hier arbeiten, stärker zu unterstützen. Wichtig sind nicht Subventionen,
sondern vielmehr das Angebot an Freiräumen. In Stuttgart sind schon
generell die Mietpreise so hoch, dass es jungen Medienschaffenden gar
nicht möglich ist, hier etwas aufzubauen.
Im Bereich Multimedia hat sich sicherlich ein bißchen etwas getan.
Stuttgart als klassischer Verlagsstandort ist bestimmt interessant. Man
kann jedoch im Bereich der Medien kein spezifisches Merkmal finden, das
Stuttgart jetzt besonders auszeichnet. Von der Filmakademie gehen selbstverständlich
wichtige Impulse aus. Was die digitale Bildgestaltung anbelangt, ist hier
sicherlich ein Bereich da, der abgedeckt ist. Man muß letztendlich
das bestehende weiterentwickeln und daran arbeiten. Was das anbelangt,
vertraue ich auf die Bodenständigkeit der Schwaben. In der Vergangenheit
sind der Kommunalpolitik immens viele Fehler unterlaufen. Man muß
endlich die Bedürfnisse der Medienschaffenden erkennen. Der Bereich
Medien ist, was die Rahmenbedingungen anbelangt, nicht vergleichbar mit
anderen Industriezweigen. Das ist einfach ein anderes Terrain, und das
wurde hier nicht erkannt.
Wie ist in diesem Zusammenhang das von der Stadt Stuttgart eingerichtete
Medienteam unter der Leitung von Herrn Petersen zu beurteilen?
Zunächst einmal finde ich es gut, dass Herr Petersen sehr unbürokratisch
ist. Ich weiß, dass er nicht unumstritten ist. Ich denke, man muß
ihn jetzt einfach arbeiten lassen. Was ich natürlich als Kulturschaffender
und Subventionsempfänger brauche, ist eine gewisse Verläßlichkeit
der gemachten Aussagen.
Ich begrüße es, dass es eine solche Anlaufstelle nun bei der
Stadt gibt. Ines Schwarzbach ist neuerdings beim Medienteam dabei und
eine sehr gute Ergänzung zu Petersen. Sie kennt die Lage in Stuttgart
und ist als verläßliche und kompetente Ansprechpartnerin bekannt.
Ich halte die Konstellation Petersen/Schwarzbach für sinnvoll - das
kann ein gutes Team geben.
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