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Lieber rosa Riese
Ein offener Brief an die Deutsche Telekom
von Holger Wölfle
Seit Monaten pflastert die Deutsche Telekom unsere
Innenstädte mit großformatigen Plakaten: T-DSL - mit Vollgas
in die Multimediawelt. Gerne präsentiert sich das Unternehmen als
kundenorientierter, innovativer Technologiekonzern, doch die Realität
zeichnet ein ganz anderes Bild. Holger Wölfle berichtet von seinem
Kampf gegen den rosa Riesen.
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Lieber rosa Riese,
unsere Leidensgeschichte beginnt mit dem Einzug in unsere neuen Büroräume
im August 2000. Wie viele andere "StartUps" hatten wir die Qual
der Wahl. Arcor, Tesion, Telekom... Wer verbindet uns mit dem Rest der
Welt? Mit wessen Hilfe surfen wir durch den Cyberspace? ...Mal ganz ehrlich,
die Angebote Deiner Mitbewerber machen die Entscheindung nicht einfach.
Zum Glück hat uns dann nach 50minütiger Wartezeit einer Deiner
netten (das ist jetzt nicht ironisch gemeint) Berater im Telekom-Laden
Stuttgart (Lautenschlagerstraße) davon überzeugt, dass die
Farbe Rosa mit fünf ISDN-Anschlüssen und tollem High-Speed-Internetzugang
T-DSL keine Wünsche offen lässt: "Spätestens in vier
Wochen brausen sie mit 15facher ISDN-Geschwindigkeit durch das World Wide
Web".
Beigeistert waren wir auch von dem Angebot "doch erst einmal die
preisgünstige ISDN-Flatrate" zu nutzen und in ein paar Wochen
ganz unbürokratisch auf T-DSL umzusteigen. Begeistert waren wir auch
von der Option, Deine Flatrate via Netzwerk zu nutzen. Mit unseren zwölf
Rechnern über eine Verbindung ins Internet....das kommt dem schmalen
Budget unserer kleinen Firma sehr entgegen.
Dann aber kam alles anders....
Da uns Name und Telefonnummer des Vormieters nicht bekannt waren, wolltest
Du für unsere fünf ISDN-Anschlüsse schlappe 1000,- DM haben...
Hätten wir den Namen des Vormieters gekannt, wären wir mit der
Hälfte davongekommen. "Das liegt daran, dass unser Techniker
in ihrem Hause die Leitungen prüfen muß". Jeglicher Versuch
unsererseits, Dir bzw. Deinem Mitarbeiter zu vermittel, dass es in unserem
Büro keine weiteren Mieter gibt und somit alle Rufnummern Lindenspürstraße
36/1 frei sind, scheiterte. Auf die Frage, wie sich die 500,- DM für
zehn MInuten Durchmessen der Leitung rechtfertigen, beruhigt uns Dein
Mitarbeiter: "Ab Februar 2001 wird nicht mehr pauschal, sondern nach
Aufwand berechnet" ...Was sollen wir mit dieser Info? Buschtrommeln
bis Februar 2001?
Unser Vorschlag, den Techniker an fünf verschiedenen Terminen kommen
zu lassen (da ja fünf mal pauschal berechnet wird), stieß auf
wenig Gegenliebe.
Kurzum, nach 13 (!) Gesprächen mit verschiedenen Abteilungen Deines
großen Konzerns ist man uns dann doch entgegengekommen.
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Zwei Wochen später:
Nach weiteren acht Beschwerden bei der Störungsstelle (Die Leitungen
wurden nicht freigeschaltet) und unzähligen Versprechungen ("Morgen
funktioniert ihr Anschluß") kurven wir mit Slowspeed ins Internet
(ISDN).
Gleich am nächsten Tag eine nette Email von Dir (Hervorhebungen durch
den Autor):
Sehr geehrte T-Online-Kundin, sehr geehrter T-Online-Kunde,
Sie haben durch den Versand von eMails an mehr als 100 Empfänger
pro 24
Stunden und/oder mehr als 1000 Empfänger pro Monat gegen unsere
"Zusätzlichen Nutzungsbedingungen eMail-Dienst" verstoßen.
Gemäß Punkt 2.3 unserer Nutzungsbedingungen (abrufbar unter
*104650120#), haben wir die oben genannte(n) eMail(s) nicht zugestellt.
Wir möchten Sie auf die, für die Nutzung des eMail-Dienstes
maßgeblichen
Punkte hinweisen:
1. Nach Punkt 2.2 unserer "Zusätzlichen Nutzungsbedingungen
eMail-Dienst" dürfen Teilnehmer an unserem Dienst maximal
100 eMails
innerhalb von 24 Stunden und nicht mehr als insgesamt 1000 eMails pro
30
Kalendertage versenden.
2. Eine Nichtbeachtung dieser Bestimmung wiegt vor allem deshalb so
schwer, weil dadurch die Funktionsfähigkeit und damit die Interessen
aller Kunden des gesamten eMail-Systems in T-Online beeinträchtigt
werden können. Bedenken Sie bitte die Größenordnung im
eMail-Verkehr,
die sich durch die Vielzahl der einzelnen Nutzer ergibt. Eine Gefährdung
der Funktionsfähigkeit unseres eMail-Dienstes durch den Massenversand
von eMails in T-Online stellt entsprechend Punkt 4.5 der "Allgemeinen
Geschäftsbedingungen T-Online (Nutzer)" zudem eine mißbräuchliche
Nutzung des Dienstes T-Online dar.
Aus diesem Grund bitten wir Sie, zukünftig unsere eMail-Bestimmungen
zu
beachten, da wir uns ansonsten gezwungen sehen, Ihren eMail-Account
zu
sperren.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr T-Online-Team
...Tja was soll ich da noch sagen, lieber rosa Riese????
31,25 Email pro Tag...bei 12 angeschlossenen Rechnern macht das pro Arbeitsplatz
2,6 Emails am Tag...
Ein Anruf bei Deiner Hotline brachte uns auch nicht weiter..."Benutzen
Sie doch den Mailserver von Greenpeace. Ich glaube, über den können
sie beliebig viele Emails verschicken". Ohhhhhhhh...Entwicklungshilfe
von Greenpeace? WIE PEINLICH!
Auch Deine Argumentation "Eine Gefährdung der Funktionsfähigkeit
unseres eMail-Dienstes durch den Massenversand" will nicht so recht
einleuchten. 31,25 Emails pro Tag ist also schon ein Massenversand? Liebe
Telekom, ein altersschwacher Server aus den 80enr schafft gut und gerne
1.000.000 Mails am Tag. Mit was für einer Hardware arbeitest Du eigentlich?
Robotron, Industriekombinat Gera?
Nachdem wir nach dieser positiven Erfahrung dreizehn Wochen auf unsere
Vanity-Nummer warten mussten, war unsere Laune auch nicht besser.
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Bis zu heutigen Zeitpunkt wurde die Bereitstellung unseres T-DSL Anschlusses
sechs mal verschoben. Trotz Auftragsbestätigung für den 31.12.2000
teilte uns einer Deiner netten Mitarbeiter telefonisch mit, dass mit einer
Freischaltung frühestens im dritten Quartal 2001 zu rechnen ist.
(Wir erinnern uns: Der Antrag wurde im August 2000 gestellt).
Ein Versuch, unseren Frust über den nicht endenden Ärger mit
Dir bei einer Beschwerdestelle Luft zu machen, scheiterte leider an der
INEXISTENTS EINER BESCHWERDESTELLE!
Die Deutsche Telekom hält es also nicht für nötig, eine
Beschwerdestelle einzurichten? Wir können uns denken warum!!!
Auf sieben Versuche, eine Beschwerde via Email abzusetzen (Die erste Email
wurde am 10.09.2000 verschickt), erhielten wir vier mal folgende Antwort:
Sehr geehrter Herr Woelfle,
vielen Dank fuer Ihre E-Mail.
Wir haben Ihre Anfrage an Ihre oertliche Kundenbetreuung zur
Bearbeitung abgegeben. Sie werden von dort eine Antwort
erhalten.
Wir bitten Sie um etwas Geduld.
Mit freundlichen Gruessen
Ihre Deutsche Telekom
i. A.
XXXX XXXXXX
Liebe Telekom, was macht ihr in eurer örtlichen Kundenbetreuung?
Wollschals für kältere Zeiten stricken? Über den Grund
des Werverfalls der T-Aktie diskutieren?
Wir würden euch gerne einmal kostenlos beraten! Bis auf weiteres
wünschen wir uns, dass Du uns mit Deinen bescheidenen Plakaten für
Produkte verschonst, die Du in absehbarer Zeit nicht liefern kannst.
Im Stillen hoffen wir natürlich, dass unsere Kollegen der Tages-
und Fachpresse weiter fleißig Artikel zu Deinem Geschäftsgebaren
schreiben!
In diesem Sinne
mit freundlichen Grüßen
Dein Holger Wölfle
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