Gastbeitrag von Arne
Braun
Fliegende Galerien: Kunst muss schön sein
von Arne Braun
Um die Veranstaltungsreihe Fliegenden Galerien, die von der
Stuttgarter Agentur Creativ Büro kuratiert und von der
Städtischen Wirtschaftsförderung mit einer stolzen Summe unterstützt
wird, ist es ruhig geworden. In seinem Gastbeitrag läßt LIFT-Chefredakteur
Arne Braun die verantwortliche Organisatorin Barbara Seibert, Ex-Mitstreiter
Mario Strzelski und Galerist Bernd Hammelehle zu Wort kommen.
Ruhig ist es geworden um die Fliegenden Galerien,
jene Veranstaltungsreihe, die junge Kunst an ungewöhnlichen Orten
präsentiert. Die bisher letzte Bilderschau ging im Frühjahr
2000 durch eine Lagerhalle in Wangen, für Januar kommenden Jahres
ist die nächste geplant. Und an dieser Ausstellung zeigt sich das
Dilemma: Die Agentur Creativ Büro aus Stuttgart ist von der städtischen
Wirtschaftsförderung mit der Konzeption und Durchführung der
Fliegenden Galerien betraut. Die Chefin Barbara Seibert weiß
zwar, dass sie für Anfang 2001 eine Bilderschau plant, kennt aber
bisher weder Ort noch Künstler. Sie weiß aber den Sponsor,
immerhin der habe zugesagt.
Das kommentiert Galerist Bernd Hammelehle, der mit Partner Sven Ahrens
die Galerie Hammelehle & Ahrens betreibt: Diese Tatsache zeigt das
Kunstverständnis der Fliegenden Galerien. Und vergleicht dies
mit der Schweineaktion, bei der angemalte Schweinemodelle Käufer
in die Calwer Passage lockten. Das hat mit Kunst rein gar nichts
mehr zu tun, so Hammelehle weiter.
Entstanden war das Projekt Fliegende Galerien aus dem Bedürfnis
heraus, junger Kunst ein Forum zu bieten, die damalige Stadträtin
Veronika Kienzle hatte die Idee initiiert, und der Kunstaktivist Mario
Strzelski führte Anfang 1999 die erste Ausstellung in der SKF-Kantine
durch. Dann gesellte sich die Event-Agentur Creativ Büro um Barbara
Seibert dazu, um, so die Chefin, das Projekt zu professionalisieren,
z.B. in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. Vier Ausstellungen folgten:
Fotos von Ralf Amos in den Eberhardspassagen, Malerei von Frank Ahlgrimm
in der Herzogstraße und die Klasse Spagnolo der Kunstakademie im
MKI-Gelände und Sabine Koch (s.u.) in Wangen, doch da war Strzelski
längst nicht mehr dabei: Unstimmigkeiten, so Barbara
Seibert. Strzelski: Wir hatten grundsätzlich unterschiedliche
Kunstauffassungen, es entstand ein inhaltlicher Bruch.
Bei der bis jetzt letzten Schau wurden die Bilder der Malerin Sabine Koch
heiß diskutiert. Sie illustriert Beiträge in der Sendung
mit der Maus und zeichnet erotische Bilder. Galeristen und Kunstkritiker
waren sich vor Ort in der Bewertung einig: Gebrauchskunst
und Kinderkram. Auch Stuttgarts Wirtschaftsförderer Joachim
Pfeifer war zugegen. Aus gutem Grund: Sein Amt gewährt den städtischen
Zuschuss und nicht das Kulturamt.
24.000 Mark, den Rest zum ermittelten Finanzbedarf von 120.000 Mark muss
über Sponsoren und andere Quellen eingenommen werden.
Das im Rathaus zuständige Medienteam lehnte eine Förderung ab.
Barbara Seibert: Medienteamchef Hans-Joachim Petersen hat unser
Ansinnen ohne Begründung abgelehnt. Sie vermutet, dass sich
Petersen nicht schon zu Beginn seiner Tätigkeit bei einem solch'
umstrittenen Projekt eine blutige Nase holen will. Petersen selbst
dazu: Ich kann guten Gewissens keine privatwirtschaftliche Ausstellung
unterstützen, die dazu dient, Immobilien zu vermarkten.
Hierin sind u.a. auch die Probleme begründet, die zur Trennung zwischen
Mario Strzelski und dem Creativ Büro führten, Strzelski: Ich
wollte Künstler ausstellen, die förderungswürdig sind.
Barbara Seibert: Ich suche Kunst, die zum Sponsor passt.
Mittlerweile tut sich auch Wirtschaftsförderer Pfeifer aus anderem
Grund schwer, was sein Engagement angeht, denn es gibt so gut wie keine
leerstehenden Gewerbe-Immobilien mehr, der Markt ist leergefegt. Pfeifer:
Zwei weitere Ausstellungen sind geplant, dann wird Bilanz gezogen.
Vielleicht modifizieren wir das Konzept.
In der Kunststudie, die im Auftrag von Kulturbürgermeisterin Iris
Magdowski die Kunstszene beleuchtet und Empfehlungen ausspricht, heißt
es dazu: Den Fliegenden Galerien fehlt es an einem inhaltlichen
Kern, ernsthafte kuratorische Tätigkeit ist bei den bisher praktizierten
Ausstellungsschema Junge Künstler + leere Räume = Ausstellung
nicht gegeben. Um zu ergänzen: Wirksame Förderung
von Kunstschaffenden heißt nicht, Kunst ausschließlich als
Event zu vermitteln. Galerist Bernd Hammelehle dazu: Es bringt
doch gar nichts, junge Kunst in eine Lagerhalle zu stecken, die muss in
den großen Institutionen wie der Städtischen Galerie o.ä.
gezeigt werden, dass sie vom Publikum überhaupt wahrgenommen und
angesehen wird. Was 2001 gezeigt wird, ist unklar: Creativ Büro-Chefin
Barbara Seibert: Es muss was Schönes sein.
Dieser Text erschien im Stuttgarter Stadtmagazin LIFT
1/01 die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung
des Autors