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Der Kongress tanzt!
Personal Review 14.Stuttgarter Filmwinter
von Karin Hinterleitner
Ein persönlicher Rückblick kann nur selektiv sein, dennoch läßt
sich ein allgemeiner Trend ausmachen: Der Ballroom boomt! Den meisten
Festivalgästen dürfte der Ballrom vom abendlichen Clubprogramm
her vertraut sein. Neu ist seine Nutzung für das ganztägige Vortragsprogramm.
Karin Hinterleitner berichtet von der neuen Kongresskultur im Filmhaus.
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| Ballroom im Filmhaus |
DJ: Scanner
aus London VJ: Mark13
aus Stuttgart |
Der Filmwinter ist fester Bestandteil meines Lebens geworden.
So wie andere in der kalten Jahreszeit einen Kurzurlaub nach Mali, Malta
oder Mallorca buchen, stürze ich mich in den FIWI-Marathon. Nahm
ich bis vor vier Jahren ausschließlich das Filmprogramm wahr, verlagerte
sich mein Interesse in Richtung Neuen Medien und Vortragsprogramm.
Offengestanden sah ich kein einziges Filmprogramm dieses Jahr. Zum einen
hielt mich die einladende Situation im Foyer und das spannende Vortrags-
und Musikprogramm im Ballroom gefesselt. Zum anderen hatte ich zwei Einsätze
als Ersatzspielerin im Moderation- und im Jury-Team.
Das zum ersten Mal im Ballroom veranstaltete Kongressprogramm hatte für
jeden Tag einen thematischen Schwerpunkt angesetzt: Streaming Media, Netzkunst
als Intervention, Videoüberwachung und Datenschutz. Der Sonntag war
für 3D-Freaks reserviert. Abends wurde das Tagesthema mit den ReferentInnen
abschließend diskutiert. Wurden letztes Jahr die Vorträge durch
den unglücklich gewählten Ort zum Kellerkind, so
konnte dieses Jahr im Ballroom sogar Laufpublikum gewonnen werden. Die
Zweiteilung des Ballrooms liess kleinere Gesprächsrunden während
der Vorträge zu und schuf eine angenehme Atmosphäre der geteilten
Aufmerksamkeit. Berührungsängste des Stuttgarter Film- und Kunstpublikums
mit Diskurskultur konnten weiter abgebaut werden: Wing it!
Ich moderierte den Streaming Media Roundtable. Das Podium
setzte sich aus Verantwortlichen europäischer Film-, Video- und Medienfestivals
zusammen:
Conny Voester, Viper
Basel / Branko Karabatic, International
Festival of New Film Split /Tom van Vliet, World
Wide Video Festival Amsterdam / Alfred Rotert,
EMAF
Osnarbrück / Giovanna Thierry, Stuttgarter
Filmwinter.
Die Perspektive des Filmfestivals im Zeitalter des Onlinefilms wurde diskutiert.
Angesichts der sich abzeichnenden technischen Möglichkeiten der Breitbandübertragung,
rückt die klassische Vorführsituation bei Film-, Video- und
Medienfestivals aus dem Zentrum. Gab es früher von Experimentalfilmen
vielleicht drei bis fünf Kopien, die für ein größeres
Publikum nur auf Festivals zugänglich waren, so können zukünftig
solche Beiträge jederzeit online an unterschiedlichsten Orten und
mittels verschiedener Interfaces "aufgeführt" werden.
Fazit:Die Zukunft der Filmfestivals soll in der persönlichen
Begegnung liegen. Gerade, weil Produzierende und Rezipierende keinen persönlichen
Kontakt via dislozierter Onlineevents mehr haben, werden Festivals als
Orte der Übereinkunft und Begegnung immer wichtiger. So neu ist dieser
Aspekt zwar nicht, jedoch nimmt das Party- und Clubprogramm einen breiteren
Raum ein als je zuvor - DJaying und VJaying haben sich als Kunstform längst
etabliert.
Mein Wunschzettel fürs nächste Jahr:
Angesichts der beengten räumlichen Situation im Filmhaus, sollte
endlich grünes Licht für den Media Space in Vollversion, mehr
Spielfäche insgesamt gegeben werden. Die Schmalspurgastronomie ist
sowieso ein seit Jahren unhaltbarer Zustand. Desweiteren ein Honorar für
die Wand5 Crew, die einmal mehr bis zur Erschöpfung ehrenamtlich
Einsatz geleistet hat. Die Unterbesetzung führte dazu, dass neben
dem Tagesgeschäft die inhaltliche Begleitung des anspruchsvollen
Vortragsprogramm und die persönliche Betreuung der ReferentInnen
etwas zu kurz kam.
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