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Visions in Blu
Velvet und Blackmountain realisierten aufwendigen Saturn-Werbespot
von Holger Wölfle
Eine androgyne Frauengestalt, Metamorphosen, eine
in blau getauchte Welt kubistischer 3D-Effekte. Außergewöhnlich
und spektakulär ist das Konzept und die Umsetzung der aktuellen Kino-
und TV-Spots der Handelskette Saturn im Auftrag der Red
Blue Marketing . In nur vier Drehtagen und vierwöchiger Postproduction
entstanden ein visuell beeindruckendes und technisch aufwendig gestaltetes
Perspektivenspiel. Holger Wölfle ist begeistert.

Im Zentrum der Handlung: Blu. Regisseur Matthias Zentner von der verantwortlichen
Produktionsfirma Velvet: Blu sollte als das Symbol der perfekten
Frau zum Kultcharakter von Saturn aufgebaut werden. Für das bewegte
Bild galt es, eine eigenständige Sprache zu entwickeln, die für
Saturn und den Claim von ,Das gibt's doch gar nicht' in Zusammenhang steht.
Drei Spots mit einer eigenständigen Linie einer charakteristischen
Sprache sollten entwickelt werden. Zielsetzung dabei war die Faszination
der Überraschung, die Unfassbarkeit des Möglichen. Im Mittelpunkt
sollten Metamorphosen der Welt um Blu stehen. Das Umfeld der faszinierenden
Frau ändert sich ständig spielerisch, während sie zwischen
der zweidimensionalen Photoprojektion und den dreidimensionalen Körpern
alterniert. Ihre Welt ist ständig im Wandel und sie begeht und bestimmt
diesen Wandel auf spielerische Art. Blu bewegt sich in einem Grundset
von optischen Täuschungen. À la Escher werden durch Kamerafahrten
neue Blickwinkel eröffnet, die auf den ersten Blick nicht ersichtlich
waren.

Das Set wurde zu großen Teilen von Blackmountain
in Maya konstruiert, anschließend wurden die Daten in ein CAD-Programm
übertragen, um anschließend die Setteile im Originalmaßstab
nachzubauen. Im Composing wurden anschließend Realworld
und virtuelle Welt miteinander verbunden.
In einer Kombination aus Anziehung und Distanz, Sinnlichkeit und Kälte,
entsteht ein Spannungsfeld, das den Spots ihren besonderen Reiz gibt.
Durch den porzellanenen Look erscheint Blu unnahbar und erhält
Statuencharakter. Gleichzeitig erhält man eine Mischform aus Härte
und Irritation der Bewegung. Porzellaning, Silber und Blau stehen für
einen eher technoiden Charakter mit androiden Zügen. Je nach Textstelle
konnte sie sich in ihrem metallenen Look ändern. Dabei wollen wir
allerdings nicht den Charakter von Terminator darstellen, sondern auch
hier die Schlüpfrigkeit von Schlangenoberflächen, so Regisseur
Matthias Zentner.

Die Planung und Umsetzung der 3D-Welten forderte ein hohes Maß an
Abstraktionsvermögen. Oliver Weber, 3D-Artist schildert die Umsetzung:
Als Ausgangsmaterial dienten ein In- und ein Outframe der zu verbindenden
Videosequenzen. Dann analysierte ich die Bilder, versuchte darin Geometrien
zu finden, die sich mittels Kamerafahrt am günstigsten ineinander
überführen ließen. Da das Bild in den meisten Fällen
ohnehin sehr geometrisch aufgebaut war, ergaben sich keine größeren
Probleme. In einem ersten Schritt galt es, den Hintergrund sowie die Frau
im Vordergrund jeweils in Würfel zu zerlegen.
Für Blu wählte ich sehr kleine Würfel, achtete allerdings
darauf, das dass Gesicht nicht zu schnell verschwand, das Bild nicht zu
pixelig wird. Nun wurden Foreground und Background jeweils einzeln über
die Kamerafahrt in den Foreground und Backgrount des nächsten Bildes
überführt. Dabei achtete ich darauf, dass Geometrie, die nicht
passte, aus dem Bild verschwand. Auf die eine Fläche des Würfels
wurde dann das Ausgangsbild, auf die andere Seite das Zielbild der Textur
projiziert. Tatsächlich kam hier nicht ein einzelnes Bild, sondern
eine animierte Textur über 15 Bilder zum Einsatz. Der Übergang
entsteht einzig aus der Anordnung der Cubes und der Kamerafahrt. Die Würfel
sind zunächst hintereinander in der Tiefe des Raumes angeordnet und
werden erst durch die Veränderung der Kameraperspektive sichtbar.

Quelle: Blackmountan; Zitate: digital production 4/2000
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