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Liveberichte im Silber-Overall von Marica Maric
Die Netzreporter von Sat1 fallen durch ihre glitzernden futuristischen Overalls sofort auf. Sie tragen eine Headset-Kamera, Mikrophon, Kopfhörer, haben eine Tastatur bei sich und verfügen über einen mobilen Rechner und ein Mini-Display. Nur etwa 20 000 Mark kostet die Ausrüstung für ein Zweier-Team. Um im Internet eine Übertragung zu starten, benötigt man lediglich eine Digitalkamera mit TV-Standard, weiterhin ein Laptop und ein Handy - während eine normale TV-Kamera allein schon das Doppelte kostet. Das Netzreporter-Team von Sat 1 wird von einem Redakteur und einem Techniker unterstützt, die sich weitgehendst im Hintergrund halten. Die Aufgabe des Netzreporters dagegen besteht darin, ununterbrochen für Bewegung und Unterhaltung zu sorgen und dabei die Kamera auf dem Kopf möglichst gerade und ruhig zu halten. Der Teamkollege übt lediglich eine unterstützende Funktion aus, indem er dem agierenden Reporter den Weg freimacht und für den reibungslosen Ablauf der Aktionen sorgt. Die Kamera-Bilder, die in Echtzeit auf der Sat1-Homepage betrachtet werden können, sind jedoch nicht immer einwandfrei. Selbst mit den schnellsten Highend-Rechnern sind Echtzeit-Übertragungen oft problematisch. Wenn besonders viele User eine Site besuchen, kommt es oft zu Beeinträchtigungen der Übertragungsqualität, die Bilder zittern oder der Ton setzt aus.
Die Firma "Webstudio.de" aus Ludwigsburg hat die Ausrüstung der Netzreporter gestellt. Sie entwickelten ein System der amerikanischen Firma "Xybernaut" weiter und schrieben zu diesem Zweck neue Programme auf Windows-Basis. Firmengründer Jochen Geiger räumt Mängel in bezug auf das technische Equipment ein. Trotz der noch entwicklungsbedürftigen technischen Ausrüstung sieht er jedoch das Interesse an dieser Übertragungsart wachsen. Die Attraktivität dieses Mediums liegt in der Möglichkeit der Interaktivität. Der Zuschauer kann sich in das Geschehen miteinbringen. So werden Fragen, die an ein spezielles Chatforum geschickt werden, direkt an den Netzreporter weitergeleitet, der diese dann in das jeweilige Interview miteinbringen kann. Das ermöglicht es Fans, mit ihren Stars direkt in Kontakt zu treten und das Gefühl zu haben, - wenn auch natürlich in begrenzter Form - dabei zu sein. Die Netzreporter sind ständig in Bewegung, es geht schneller, hektischer und spontaner zu als bei der durch im Fernsehen üblichen Live-Berichterstattung. Erstaunlich ist das mangelnde Interesse etablierter Journalisten an dieser Form des Journalismus. Sat 1 rekrutierte Moderatoren-Laien, nachdem sich von den erfahrenen Leuten niemand finden ließ, der bereit gewesen wäre, in den silbernen Overall zu steigen. Jörg Kanzler stammt eigentlich aus der Programmkoordination, Anja Zenk ist studentische Aushilfskraft in der PR-Abteilung des Senders.
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