"Glückliche Tage, Schlaflose Nächte"
Soap-Premiere im Kommunalen Kino

von Marica Maric


Bei ausverkauftem Haus feierte am Samstag, den 11. November, das Kommunale Kino die Premiere von Teil 4 der Familiensaga à la Carringtons und von Anstettens: "Glückliche Tage, Schlaflose Nächte". Im Zentrum der Soap-Persiflage von Jörn Precht steht der drohende Ruin des Familienbetriebs "Südfrost". Marica Maric besuchte die Veranstaltung.

Das Premierepublikum besteht überwiegend aus Menschen, die in irgendeiner Form mit dem Projekt "Glückliche Tage, Schlaflose Nächte" zu tun haben: Mitwirkende vor und hinter der Kamera, deren Familien, Freunde und Bekannte. 180 Minuten schlechte Bildqualität,Tonschwächen und katastrophale schauspielerische Leistungen machen aus dem Familienepos eine wahre Trash-Perle - das Publikum johlt.

Bestandteil jeder "anständigen" Soap ist, dass die Geschichte einer Familie erzählt wird, Geld, Eigentum und Macht im Spiel sind, und dass aktuelles Zeitgeschehen in die Handlung miteinbezogen wird: Die Hausangestellte der Bertanis, die den merkwürdigen Namen Herzegowina trägt, und ihr Bruder Damir Bihac, sind Kriegsflüchtlinge vom Balkan. Damir, gespielt von Moritz Mescher, der eigens für diese Rolle einige Brocken Kroatisch lernte, leidet - wie könnte es auch anders sein - unter einem traumatischen Kriegserlebnis, das er durch die Macht der Liebe zu Teresa Chiquita zu überwinden vermag. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der charmant gespielte ausländische Akzent der Darsteller. 

Die Serienmutter wird von einem Mann gespielt, Tobias Frericks, der die Verwandlung zur Drag Queen in New York bei Ru Paul höchstpersönlich lernte. Seine Auftritte werden mit mächtigem Applaus honoriert, denn es gelingt ihm, Szene für Szene in neuem und noch gewagterem Outfit zu erscheinen. Charlotta alias Tobias Frericks Darbietung gipfelt schließlich in der Szene, in der Charlotta dem Auftragskiller gegenüber sitzt und mit laszivem Augenaufschlag um ihr Leben pokert. Dank Charlottas guter Beziehung zur Showbranche in den USA wird das Imperium "Südfrost" schließlich durch eine finanzielle Zuwendung gerettet und es kommt zum großen Finale im "Four Roses", dem von der jüngeren Bertani-Generation eröffneten House-Club.

Regisseur und Initiator des Projekts "Glückliche Tage, Schlaflose Nächte" ist Jörn Precht, ein ehemaliger Student der Filmakademie Ludwigsburg. 1994 hatte er die Idee zu den "Glücklichen Tagen". Aus dem einst spontanen Einfall einer Soap-Persiflage entwickelte sich ein Projekt, dass sechs Jahre später auf vier Spielfilme mit einer Gesamtlänge von insgesamt neun Stunden Spielzeit zurückblicken kann. Die Darsteller wurden im Bekanntenkreis rekrutiert. Gedreht wurde zumeist in privaten Wohnungen in Stuttgart und Umgebung.

Die vier Folgen von "Glückliche Tage" wurden zusehends mit professionelleren Mitteln pruduziert. Zwar konnte diesmal mit der Unterstützung von AV Medien Stuttgart professionell geschnitten werden, jedoch lebt auch die aktuelle Produktion vom Engagement der Laiendarsteller. Dank teurer Außenmikrophone wird der Ton bei der nächsten Folge entscheidend verbessert werden. Teil 5 der Familiensaga ist bereits in Bearbeitung und wird finanziell von Interspherial Pictures unterstützt.

Das Filmhaus plant eine weitere Aufführung am 22. Dezember. Gezeigt wird an diesem Abend zusätzlich ein "Making of..." der "Glücklichen Tage".

 

http://www.gluecklichetage.de

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