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"Wir möchten eine flexible
Eingreiftruppe sein" von Marko Schacher Inwieweit sind Sie für Stuttgarter Künstler ein Ansprechpartner? Der Kunstbereich liegt mir sehr am Herzen, vor allem wenn es um Medienkunst geht. Was das Thema Forschen, Lehren und Ausstellen im Bereich der Neuen Medien angeht, ist das ZKM in Karlsruhe weltführend. Auch in Stuttgart gibt es zahlreiche Künstler, die sich mit dem Thema Medienkunst beschäftigen. Die möchte ich unterstützen, wenn es um Ausstellungen und Projekte geht. Ein zentraler Ort, an dem man Video- und Multimedia-Präsentationen durchführen könnte - zusammen mit Tagungen und Künstlergesprächen - wäre der sogenannte Media-Space im Filmhaus. Dieses Vorhaben hängt davon ab, wie sich das Filmhaus entwickelt. Nachdem der Kulturausschuss letzte Woche und auch der Verwaltungsausschuss zugestimmt haben, ist nun das Filmhaus in seiner Existenz gerettet. Inwieweit können Sie Multimedia-Künstler unterstützen? Ich kann keine einzelnen Künstler unterstützen, die einen Material- oder Katalogzuschuß haben wollen. Ich kann aber helfen, Veranstaltungsreihen oder Gruppenausstellungen zu ermöglichen. Ich kann auch mal Fragen der Baugenehmigung und Zwischennutzung klären, zum Beispiel wenn im Rahmen von Kinoabenden mit dem Ordnungsamt oder dem Baurechtsamt Probleme aufkommen. Interessierte Künstler können mich per E-Mail erreichen oder auf Veranstaltungen ansprechen. Was sagen Sie zur "Kunststadt Stuttgart"-Studie des Kunsthistorischen Instituts? Ich habe die Studie gelesen. "Die Kunststadt Stuttgart" ist ein treffender Ausdruck. Die hiesige Kunstszene ist sehr rege und aktiv. Ich würde mir aber wünschen, dass die Stuttgarter Kunstszene präsenter auf dem Markt ist. Einige Galerien, die jetzt versuchen auf die Messen in Köln oder Basel zu gehen, haben mich um eine Förderung gebeten. Das lehne ich nicht kategorisch ab, weil ich denke, dass es uns gut tun würde, wenn wir auch als Kunststandort nach außen hin bekannter würden. Haben Sie den erweiterten Galeriensamstag "art alarm" genutzt? Nein, ich war an diesem Wochenende leider nicht da. Bisher habe ich mir gezielt bestimmte Galerien herausgesucht und mit dem Galeristen Kontakt aufgenommen. Diese publikumswirksamen Veranstaltungen sind für mich weniger geeignet. Ich muss mit den Leuten reden und mir Hintergründe verschaffen - da brauche ich das ruhige Gespräch. Gibt es in Stuttgart überhaupt Galerien, die sich an Medienkunst wagen? Es gibt einige Galerien, die Videos, Fotografien und Multimediaprojekte zeigen. Die Bildende Kunst ist nicht mein Bereich. Welche Projekte haben Sie bisher verwirklicht? Ich habe als Journalist über das Thema "Netzkunst" geschrieben und mich mit diversen Künstlern getroffen. Hier stellt sich die Frage nach dem Verhältnis zwischen Technik und Inhalt. Welche Inhalte kann ich per Internet oder Multimediaprojektion transportieren, die ich mit den herkömmlichen Mitteln - Farbe auf Leinwand - nicht transportieren kann? Inzwischen haben sich die Techniker im Internet ausgetobt. Jetzt geht es darum, Dinge zu machen, die gut aussehen und ästhetisch als Kunstwerk interessant sind. Bisher fehlten den Netzkünstlern ästhetische Kriterien, die ja eigentlich das Kunstschaffen voraussetzt. Welche Projekte liegen Ihnen momentan am Herzen? An erster Stelle steht der Umbau des Filmhauses. Wir wollen im Mediaspace feste Veranstaltungsreihen zum Thema Multimedia durchführen. Langfristig sollen die Reiterkasernen im Hallschlag als Medienzentrum umgebaut werden. Waren Sie beim Relaunch der www.stuttgart.de-Seiten durch die Stuttgarter Agentur "Seitenblick" beteiligt? Ich war nur insoweit beteiligt, dass ich die Agentur "Seitenblick" mit ins Rennen gebracht habe, weil ich sie für eine sehr gute, junge Agentur halte. Ich glaube, der Relaunch läuft in die richtige Richtung. Die Stadtverwaltung sollte sich nicht nur als Stadtverwaltung präsentieren, sondern soll langfristig die Stadt Stuttgart im Netz anbieten - mit E-Mail-Kontakten zu allen Bereichen, mit Bürgerservice, Kultur, Wirtschaft, Tourismus, Handel. Wünschenswert wäre, dass es zu einer Kooperation mit der einen oder anderen privaten Initiative im Bereich Kultur kommt. Wie beurteilen Sie den bisherigen Online-Auftritt der Stadt Stuttgart? Der bisherige Auftritt ist sehr informativ. Inzwischen reicht es allerdings nicht mehr, Informationen über und rund um das Rathaus ins Netz zu stellen. Die Ansprüche der User sind gestiegen, man möchte alle Behördengänge im Internet durchführen können. Wenn man darüber hinaus Kinokarten bestellen kann, wäre das toll. Die "Stuttgarter Nachrichten" kritisierten, dass sie angeblich eng mit Berliner Agenturen zusammenarbeite, und dies auf dem "Medienfest" im Institut Francais verkündigten... Ich glaube, dass der Reporter meine Rede nicht richtig verstanden hat, weil die Akustik so schlecht war. Ich habe nämlich zwei Sachen gesagt: einerseits, dass "Seitenblick" den Wettbewerb für die neuen Stuttgart-Seiten gewonnen hat, und zweitens, dass es gelungen ist, die Berliner Agentur Melle-Pufe nach Stuttgart zu bringen. Beides hatte nichts miteinander zu tun. Es geht mir nicht darum, Stuttgart mit Berliner Agenturen zu überschwemmen, sondern um vernünftige Kooperationen. Stuttgart hat kreatives Potential, die Leute sind jung und nicht so anspruchsvoll, was den Verdienst anbelangt, es gibt hier eine gute mittelständische Industrie, die als Auftraggeber wirkt. Viele Berliner sind sowieso hier in der Gegend, weil sie ihre Kunden besuchen. Aus dieser Konstellation ergeben sich sehr gute Verbindungen. Ich hoffe, dass wir auf der Achse Stuttgart - Berlin noch viele Dinge bewegen können. Ist es schwierig, zwischen Stadt und Medienschaffenden zu vermitteln? Ja, es werden sehr viele Vorhaben an mich herangetragen. Viele Leute erhoffen sich neuen Wind. Andererseits muss ich bremsen, weil ich keine großen Fördertöpfe aufmachen kann. Statt dauerhafte Förderungen nach dem Gießkannenprinzip vorzunehmen, möchten wir eine flexible Eingreiftruppe sein. Ich möchte punktuell Projekte fördern, die von möglichst viel Leuten gesehen werden, so dass der Medienstandort Stuttgart gefördert wird - so geschehen bei den Französischen Filmtage, die in Tübingen und Stuttgart stattfanden. Andererseits muss ich viele Leute enttäuschen, zum Beispiel private Anbieter von Kulturseiten im Netz, deren Initiative ich prinzipiell gut finde, sie aber nicht fördern kann. Bietet das "Medienteam" eine Broschüre oder eine eine Webpage an? Eine Webpage ist im Aufbau und wird noch vor Weihnachten im Netz stehen. Eine Broschüre wird es nicht geben - ich denke wir leben in einem Zeitalter, in dem jeder eine Webpage ansteuern kann . Im Internet können wir zudem viel aktueller sein. Wenn Ihnen Frau Magdowski 10 Millionen Mark zur freien Verfügung geben würde, was würden sie tun? Da muss ich länger drüber nachdenken.
Ein Auszug aus diesem Interview wird in LIFT 1/01 erscheinen
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