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Die Ordnung im Chaos von Marko Schacher
Frau Jonas, wie bereitet man sich auf eine Retrospektive vor? Ist es nicht unheimlich schwierig, Performances als Ausstellungsstücke ins Museum zu übertragen? Ein Teil der Ausstellung war bereits 1994 innerhalb meiner Retrospektive im Amsterdamer Stedelijk-Museum zu sehen. Damals mußte ich bereits einen Weg finden, um meine frühen Performances als Installationen zu präsentieren. Das ist nicht einfach. Ich versuche, möglichst viel Informationen zu einer Performance bereitzustellen. Ich zeige Dias, Fotografien und die verwendeten Objekte, wie zum Beispiel Spiegel oder Masken. Einige dieser Objekte besitzen eine eigene Präsenz, andere funktionieren nur innerhalb der Installation. Außerdem habe ich immer Filme oder Videos gedreht, die eigentlich als von den Performances getrennte, selbständige Arbeiten entstanden sind, aber auch die einzigen Dokumentationen der Performances sind. Ich versuche, die Bühnensituation und die damalige Atmosphäre zu rekonstruieren. Teilweise ergänze ich die Installationen mit Werken, die zwar nicht Teil der Aufführung waren, jedoch zur selben Zeit entstanden sind. Welche Rolle spielen die Zeichnungen? Alle Zeichnungen, die in der Ausstellung präsentiert werden, sind während der Performances entstanden oder wurden während der Performance benutzt. Ich benutze Zeichnungen nie als Storyboard. Ist es schwer, die für eine Retrospektive geeigneten Exponate auszuwählen? Ja, es ist schon schwierig, zu entscheiden, welche Arbeiten man nehmen soll. Jede Auswahl erzeugt eine andere Wirkung, gibt den Leuten eine anderen Eindruck.. Meine Arbeiten aus den Achtzigern, denen meist das Thema "Erzählen" zugrunde liegt, habe ich, bis auf die "Volcano Saga" größtenteils ausgeklammert. Ich habe versucht, die "stärksten" Arbeiten zu wählen. Wenn ich die finanziellen Möglichkeiten gehabt hätte, hätte ich einen ganzen Raum voller Projektionen geschaffen.
Haben Sie so etwas wie eine Lieblingsarbeit? Ich mag "Mirage", nachdem ich die Arbeit überarbeitet habe. Interessieren tun mich eher die späteren Arbeiten, die mich immer noch beschäftigen. "Organic Honey" ist vielleicht eine meiner besten Arbeiten, aber da bin ich nicht mehr involviert. Ihre Arbeiten sind sehr feminin, manche feministisch. Was halten Sie von einem Künstler wie Jason Rhoades, der die männliche Macho-Seite repräsentiert? Diese Unterscheidung zwischen "männlich" und "weiblich" funktioniert heute nicht mehr so wie in den 70ern. Ich mag Rhoades' Arbeiten und halte sie gar nicht für besonders "männlich". Ich denke nicht, dass ich feminine oder gar feministische Arbeiten mache. Klar, ich bin eine Frau und viele Arbeiten beschäftigen sich mit den Erfahrungen einer Frau, aber das ist nur ein Aspekt von vielen. Sie sind seit kurzem "Professor for Visual Arts" am "Massachusetts Institute of Technology"... Ich lehre dort Video und Performance. Viele meiner Studenten sind angehende Architekten im höheren Semester. Nächstes Semester werden Mathematiker und Physiker dazukommen. Diese Kontakte mit anderen Abteilungen finde ich sehr spannend. Können Sie sich vorstellen, eine Arbeit ausschließlich für das Internet zu realisieren? Ja, das könnte ich mit definitiv vorstellen. Vielleicht muß ich vorher noch einen Computerkurs besuchen (lacht). An und für sich bevorzuge ich aber Live-Situationen. Das Internet bietet ganz andere Möglichkeiten, die ich erst erkunden muss. Ich möchte nicht nur meine Arbeiten als Fotoalbum ins Internet stellen. Welche Bedeutung hat für Sie die Retrospektive in Stuttgart? Ich bin froh, dass ich hier in Stuttgart eine Retrospektive zurücklasse. Ich glaube, dass viele Stuttgarter meine Arbeiten gar nicht kennen. Zudem ist es meine erste große Einzelausstellung in Deutschland. Es werden also hoffentlich viele Leute aus Deutschland und dem Ausland kommen. Momentan bin ich etwas ungeduldig. So eine Retrospektive lenkt den Blick zurück, ich würde jedoch gerne neue Arbeiten machen. Allerdings bekomme ich durch die Rekonstruktionen der damaligen Arbeiten auch Ideen für neue Arbeiten.
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