|
Das Fernsehen der Zukunft
hat begonnen von Holger Wölfle Die Wie unsere Medienwelt in Zukunft aussehen wird, darüber ließ sich schon immer trefflich spekulieren. Andererseits gibt es auch Entwicklungen, die sich so klar und deutlich abzeichnen, dass es keiner prophetischen Gaben bedarf, um sich unsere mediale Wirklichkeit für die nächsten Jahre vorzustellen. Was wird diese Wirklichkeit auszeichnen? Auf einen Nenner gebracht: Immer weniger Endgeräte können immer mehr. Die multimediale Angebotspalette wird einen Quantitätssprung von ungekanntem Ausmaß erleben, die benötigte Hardware, um sich dieser Palette zu bedienen, wird vehement reduziert. Ein großer Technologiebereich ist davon in besonderer Weise betroffen: Die Schnittstelle zwischen Fernsehen und Internet, die über das Stadium reiner Absichtserklärung von Seiten unterschiedlichster Anbieter längst hinaus ist. Hierzulande nimmt die "Kabel Deutschland GmbH", [http://www.kabeldeutschland.de/ ] eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Telekom AG, eine Vorreiterrolle ein. Auf der letztjährigen Berliner Funkausstellung fiel der Startschuss zu einem Feldversuch, bei dem das Kabelnetz von 680 000 Berliner Haushalten breitband- und rück-kanalfähig gemacht wird. Gemeint ist damit eine Frequenzbanderweiterung auf 862 MHz. Es wird dann zukünftig möglich sein, bis zu 50 analoge TV-Programme und mehrere hundert digitale Programmangebote zu empfangen. Die neue Rückkanaltechnik ermöglicht zudem das Ende der bisherigen TV-Einbahnstraße. Über ein Kabelmodem ermöglicht es den Internetzugang mit sehr hoher Geschwindigkeit (bis zu 2 Mbit/Sek.) und erlaubt Interaktivität ohne zusätzliche Telefongebühren. Damit präsentiert sich das Breitbandkabel als die Multimedia-High-Speed-Plattform der Zukunft. Mit Schaffung der technologischen und netzbezogenen Voraussetzungen ist es natürlich bei weitem nicht getan. Das Ziel lautet nicht, den Fernseher zur Multimedia-Station auszubauen, mit der nicht nur die digitale Programmvielfalt von Sendeanstalten überschaubar administriert werden soll, sondern die dem Nutzer zudem eine Vielzahl von Zusatz-Features und personalisierten Zugriffsmöglichkeiten bietet. Internet, Online-Shopping und Online-Banking, Interaktive Spiele, Video und TV on Demand, Voice over IP, Videoconferencing und Electronic-Programme-Guides sind da nur einige Stichworte. Dies bedeutet, dass in erster Linie die Content-Generierung gewährleistet sein muss. Die "Kabel Deutschland GmbH" wird dieses in Zusammenarbeit mit diversen Content-Lieferanten für das Pilotprojekt realisieren. Dazu bietet die "Kabel Deutschland GmbH" eine offene Plattform, die es jedem Anbieter von Inhalten ermöglicht, seine Dienste und Produkte, wie z.B. Video on Demand, dem Kunden anzubieten. Verschiedene Content-Anbieter wie die Bertelsmann Gruppe und "TV-Spielfilm" sind schon dabei. Jeder noch so schöne Content ist allerdings wertlos, wenn er in der Fülle von Offerten, Themen, Verzweigungen und Hierarchien untergeht und nicht gefunden wird. Deshalb ist die Gestaltung einer ergonomischen Benutzeroberfläche und die Art der Benutzerführung ein zentrales Element des gesamten Projekts.
Mit der in Ludwigsburg ansässigen TC-Gruppe, einer Agentur für integrierte Kommunikation, die seit Jahren in engem Kontakt mit der Deutschen Telekom steht, hat die "Kabel Deutschland GmbH" einen Partner gefunden, der sich an diese knifflige Aufgabe heranwagte und eine überzeugende Portallösung entwickelte. Die Multimedia-Unit der TC-Gruppe, die TC-lnteractive GmbH, zeichnet sich für Programmierung und Gestaltung des Portal-Prototyps verantwortlich und ist darüber hinaus mit allen Fragen der Datenbankanbindung und Teilen der technischen Konzeption betraut.
Was hat das Portal in seiner jetzigen Form zu bieten? Es fungiert als browserbasierte, einheitliche Oberfläche für Fernseher und PC, wobei aktuellste Internet-Technologien zum Einsatz kommen. Die Benutzerführung ist einfach und intuitiv und erfolgt über IR-Fernbedienung mit Tastatur (TV) oder Tastatur und Maus (PC). Im Headframe findet sich die Menüleiste zur Steuerung des Webbrowsers inklusive der Möglichkeit zur Eingabe von URL-Adressen. Die Themenauswahl auf der Startseite ist klar strukturiert: ,,Free TV", ,,Pay TV", ,,Programmführer", ,,Interaktives", ,,Favoriten", ,,Kommunikation" und ,,Einstellungen". Neben dem eigentlichen Content-Bereich gibt es eine Suchfunktion im Programmführer und Internet sowie eine Anzeige neu eingegangener Nachrichten. In den Programmrubriken für Free und Pay TV werden jeweils Informationen zur gerade aktuell laufenden sowie der darauffolgenden Sendung angezeigt. Die Bild-im-Bild-Darstellung des TV-Livebildes ist - auch während des Surfens im Internet - verschieden positionierbar, und der User kann jederzeit auf eine Full-Screen-Darstellung umschalten. Die Rubrik ,,Interaktives" offeriert eine Reihe weiterer Portale. Unter dem Stichwort ,,Video on Demand" (VoD) erfolgt ein personifizierter Zugriff, der es ermöglicht, den Film über Eingabe einer PIN freischalten zu lassen. Erstmals wird hier mittels LiveVideoStream ,,wirkliches" VoD geboten, das sich deutlich vom Pay-per-View-Verfahren unterscheidet. Parallel zum Fernsehprogramm kann man frei im Internet surfen und seine gesamte Kommunikation im Sinne von ,,unified-messaging" abwickeln (E-Mail, Fax, Anrufbeantworter, Videomail).
Das gesamte Portal kann nach Interessenlage personenbezogen konfiguriert werden. Grundsätzlich basiert der komplette technologische Background auf Standardlösungen, was sich als großer Vorteil erweist. Die für den Empfang digitaler Programme notwendige Test-Set-Top-Box hat derzeit eine PC-Technologie zur Grundlage - genauso bei der Software: Auf dem abgesicherten Windows-Betriebssystem läuft ein speziell programmierter Microsoft Internet Explorer, der zwar alle gängigen Plug-Ins, jedoch nicht alle Systemfunktionen zulässt. Insgesamt galt es bei der Prototyp-Erstellung einige diffizile Programmieraufgaben zu meistern, z.B. die Hardware-Ansteuerung der DVBTunerkarte aus dem Browser heraus, um von einer Bild-in-Bild-Darstellung auf Fullscreen umschalten zu können.
So sieht sie also aus - die neue Welt des Kabels. Im Berliner Pilotprojekt verfügt "Kabel Deutschland" in Kürze über einen, ebenfalls von der TC-Gruppe gestalteten Showroom, in dem man sich ausführlich über die neue interaktive High-Speed-Plattform informieren kann. Quelle: Pressemitteilung TC
> top
medienkultur-stuttgart.de
|| 2000 || home
|