"Virtopera" - eine Oper entsteht im Internet
Die weltweit erste Network-Opera-In-Progress

von Christian Kuhna

Seit September diesen Jahres komponiert Eberhard Schoener eine Oper, die erst im Internet entstehen wird. Die Grundidee der "Virtopera" besteht darin, den künstlerischen Möglichkeiten des Internets mehr Bedeutung einzuräumen und dem interessierten Publikum einen Leitfaden durch die "Kulturlandschaft" des Internets zu geben.

Die Idee

Im Leben der Menschen im beginnenden Jahrtausend wird Technologie eine weitaus größere Rolle spielen als je zuvor. Das Internet versorgt die Menschen mit vielfältigem Wissen. Die weltweite Kommunikation läßt Grenzen verschwinden. Das Internet wird zum globalen Raum. Eberhard Schoeners eigens für das Internet konzipierte "Virtopera" führt Eigenheiten unterschiedlicher Kulturkreise zusammen und wird so zu einem globalen Bühnenereignis.

Der virtuellen Welt des Protagonisten "Cold Genius" wird eine reale Welt der Gefühle, Leidenschaften und Humanität gegenübergestellt. Im Laufe der Zeit wird die geheimnisvolle Figur der weltweit ersten "network-opera-in-progress" mehr und mehr zu dem, was die User in ihm sehen.

Kontakt zu den Menschen nimmt Cold Genius bei vier Live-Events auf, die in Italien (Mantua), Brasilien (Manaus), Indien (Kalkutta) und Deutschland (Köln) stattfinden. Bei den Live-Auftritten, die direkt ins Internet übertragen werden und somit Bestandteil der "Virtopera" sind, treffen Musiker und Künstler zusammen und veranstalten gemeinsam Konzerte.

Im Anschluß daran kann der Internet-User in einer Live-Diskussion mit den Musikern interaktiv an der Komposition und Entstehung der Oper teilnehmen. Er kann musikalische Ideen, sowie Textvorschläge einbringen, die dann in die Oper eingearbeitet werden. Unter der Regie von Eberhard Schoener und unter Mitwirkung der ganzen Welt wird so bis Anfang nächsten Jahres das virtuelle Gesamtkunstwerk "Virtopera" entstehen.

Live-Event in Kalkutta

Der vierte Live-Event der "Virtopera" am 8. Dezember 2000 in Kalkutta findet als offizieller Beitrag im Rahmen des "German Festivals" (Deutsche Festspiele in Indien) statt und wird in Zusammenarbeit mit DaimlerChrysler, dem Goethe-Institut in Indien, dem American Culture Center, der Bertelsmann Music Group und dem Filmkomponisten Eberhard Schoener realisiert.

Pop-Star Peter Gabriel wird in einem Live-Chat mit den Usern über ethnische Musik diskutieren und mit ihnen, den Musikern im virtuellen Studio, sowie Musikern aus Studios der ganzen Welt durch neue Text-Einfälle und musikalische Beiträge die Entstehung der Oper vorantreiben.

 

Der Komponist Eberhard Schoener

Eberhard Schoener ist klassisch ausgebildeter Geiger und Dirigent. Er gestaltete Konzerte, die dem jüngeren Publikum die Schwellenangst vor der Klassik nehmen sollen. Er komponierte und inszenierte "Nachtschicht", ein Multi-Media-Ereignis im stillgelegten Stahlwerk von Neunkirchen im Saarland, und die Eröffnungsfeier der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Stuttgart, bei der Musiker aus fünf Kontinenten über Satellit live mit Musikern im Gottlieb-Daimler-Stadion zusammen spielten.

Für die Eröffnung des Potsdamer Platzes am 2. Oktober 1998 schrieb Eberhard Schoener im Auftrag der damaligen Daimler-Benz AG die Hymne "Potsdamer Platz, Herz von Berlin", die von der Popband "Die Prinzen", den Solisten des Tölzer Knabenchors und dem Budapester United Philharmonic Orchestra aufgeführt wurde. Schoener konzipierte außerdem das musikalische Konzept der Eröffnungsfeier, bei der unter anderem Helen Schneider, Midge Ure und Gianna Nannini auftraten.

Vor fünf Jahren begann Schoener Kurzopern zu schreiben: "Cold Genius", "Palazzo dell'Amore", "Die Rache" und "Beleza Negra". Bei seiner fünften Oper "Virtopera" wird die Komposition nicht nur ins Internet gestellt, sondern das Internet spielt die Hauptrolle. Seit mehr als zwei Jahren beschäftigt sich Eberhard Schoener mit dieser Idee. Er traf Olaf Schirm, der in seiner Firma NoDna virtuellen Figuren Leben schenkt, und nun dafür sorgen wird, dass "Cold Genius" in Echtzeit auftreten kann. Dabei ist der Protagonist keine Computeranimation! NoDna entwickelte eine Technik, durch Sensoren die Gestiken und Mimiken von Menschen auf virtuelle Figuren zu übertragen. Dadurch kann diese Figur direkt reagieren und braucht kein vorgelegtes Konzept.

 

 

www.virtopera.com
www.cold-genius.com
www.nodna.com
www.daimlerchrysler.com/news/top/2000/t01012_g.htm

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