Subjektivität am Büffet
Verleihung des Carl-Einstein-Preises für Kunstkritik

von Karin Hinterleitner

Die Preisverleihung des von der Kunststiftung Baden-Württemberg ausgeschriebenen Carl-Einstein-Preises für Kunstkritik fand am 22.10.2000 erstmalig in Berlin, genauer gesagt in der Akademie der Künste im Tiergarten statt. Über die Preisverleihung und ein kleines Missverständniss wurde bereits in der Stuttgarter Zeitung, Ausgabe 24.10.2000, unter der Überschrift "Wa(h)re Subjektivität" berichtet. Karin Hinterleitner kommentiert den wichtigsten Teil der Veranstaltung - den Empfang in der soviet- äh- russischen Botschaft Berlin. Ganz unschwäbisch kredenzte der Sponsor ENBW ein üppig warm-kaltes Büffet vor einer prächtigen Kulisse.

 

Die Höhe des Stipendiums für Rudolf Schmitz, 20 000 Mark, entspricht dem Stipendium, das die Kunststiftung Baden-Württemberg auch an Künstler vergibt. Jedoch hören damit die Parallelen der Preisverleihungsliturgie bereits auf. Der glamoureske Rahmen der Veranstaltungm - die russiche Botschaft mit ihrem unverändert stalinistischen Pomp - ließ den eigentlichen Anlass der Veranstaltung in den Hintergrund treten. Ursprünglich sollte der Empfang in der Baden-Württembergischen Vertretung in Berlin stattfinden. Jedoch ließen sich die dort beschäftigten Beamten auch durch wiederholtes Bitten nicht dazu bewegen, sonntags zu arbeiten. Schön, dass sich die ehemalige Lobby der Arbeiter und Bauern unter den Linden gerne noch ein paar Mark dazuverdient und das Gebäude für den Abend zur Verfügung stellt.

Der Stalinbarockpalast bot zudem einen perfekten Kontext für den künstlerischen Beitrag der Ex-Stuttgarter Künstlertruppe "Das Deutschen Handwerk". Als Facharbeiter für den Rekurs auf die Avantgarde installierten Sie für diesen Anlass eine Mini-Ausstellung vor den Büffets. Den anstehenden Gästen bot sich eine ironische Brechung der Veranstaltung, die das Szenario geschmacklich abrundete und die kritische Reflektion etwas bekömmlicher machte. Getoppt wurde "Das Deutsche Handwerk" nur noch von einer anonymen künstlerischen Intervention: Aktivisten schmuggelten eine russische Folklore-Gruppe ein.Und

Über allem strahlte der fünfzackige Rote Stern im Glasfenster, der nur für besondere Anlässe beleuchtet wird.

 

  Carl Einstein 1928

 

http://www.kunststiftung.de/PresseCEP/index.html
http://www.stuttgarter-zeitung.de/dc1/html/news-stz/20001024kult0017.shtml
http://www.das-deutsche-handwerk.de/

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