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Viel Lärm um nichts (Teil
2) von Marko Schacher Seit dem 16. September läuft auf RTL2 die zweite Staffel der Reality-Soap "Big Brother". Auch diesmal stammte die peinlichste Person der Fernseh-WG aus dem Schwabenländle und wurde - zurecht - von den Zuschauern nach zehn Tagen rausgewählt. Doch seit dem 24. Oktober ist die Freizeit-Stripperin Marion aus Reutti bei Neu-Ulm wieder im Container. Marko Schacher kommentiert die hemmungslosen Vermarktungsstrategien des Senders. Man kann zu "Big Brother" stehen wie man will, eines muß man den Verantwortlichen neidlos zugestehen: Was die Vermarktung betrifft, stellt die Produktionsfirma Endemol neue Rekorde auf. Auf der Jagd nach Einschaltquoten ergreifen John de Mol und seine Mitstreiter Strategien, für die sich andere, seriöse Sender in Grund und Boden schämen würden. "Big Brother - täglich um 20:15 Uhr auf RTL2" - so haben es uns die Werbeplakate und TV-Werbeblöcke eingeschärft. Nach einiger Zeit haben wir uns daran gewöhnt, dass die unnötig in die Länge gezogene Nominierungsorgie, beziehungsweise der Kandidatenrauswurf, samstags unter dem verheisungsvollen Titel "Big Brother - die Endscheidung" auf dem Muttersender RTL läuft, damit dieser auch etwas vom angeblichen Hype abbekommt. Wer jedoch neuerdings montags und freitags zur gewohnten Zeit die Glotze anschaltet, wird mit der vierzigsten Wiederholung von "Bud Spencer und Terence Hill"-Filmen konfrontiert (Dabei wird auch nicht davor zurückgeschreckt, Bud Spencer mit "Big Bud"-Logo anzukündigen, um den Haudrauf-Opa der Jugend schmackhaft zu machen). Die erste Hälfte des Spielfilms wird von 20:15 bis 21:15 Uhr ausgestrahlt, während die zweite Hälfte erst nach einer einstündigen Unterbrechung (!!!) durch die "Big Brother"-Ausstrahlung folgt. Der Sinn ist klar: "Big Brother"-Fans kratzen sich verwundert am Kopf, warten eine Stunde auf ihre Lieblings-WG und kommen so möglicherweise auf den Spielfilm-Geschmack. Bud-Spencer-Fans wiederum (gibt es die überhaupt?) schauen sich eben auch dieses Big Brother-Zeux an, weil in dieser Stunde auf den Konkurrenzsendern auch nix Besseres läuft. Gut für die Quote, schlecht für Gewohnheitstiere. Wozu sind eigentlich Spielregeln da? Dass man sich daran hält? Weit gefehlt! Wenn es um die Quote geht, werfen Endemol und RTL2 alle Spielregeln über Bord. "Kein Bezug zur Aussenwelt, kein Telefon, keinen Fernseher, keine Zeitungen" steht auf den steinernen Gesetzestafeln des "Back to Basic"-Projekts. Umsomehr mussten wir uns während der ersten BB-Staffel wundern, dass Udo Walz, Tony Polster und Verona Feldbusch kurzzeitig in die Container-Gemeinde eingegliedert wurden, um mit Fön, Torwand und Spinat-Blubbs den lahmarschigen Verein ein wenig aufzumischen. Als kürzlich Guido Westerwelle in den Container durfte, um sich selbst und die FDP-Politik für 40 Minuten lang in den Mittelpunkt zu stellen, hat uns das gewundert, aber nicht weiter überrascht. Dass für den freiwilligen Aussteiger Christian ("Der Nominator") plötzlich zwei Kandidaten in den Container geschickt wurden, und die BB-Bewohner selbst darüber abstimmten, wer von beiden bleiben soll, haben wir mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. Dass jedoch Kandidaten, die von den Bewohnern und dem Publikum
bereits herausgewählt wurden, plötzlich eine zweite Chance bekommen und
in den Container zurückdürfen, schlägt dem Fass den Boden raus. Am 24.Oktober
wurde per kurzfristig anberaumten Publikumsentscheid während einer RTL-"Sondersendung"
die erste Kurzfristig wurde von Endemol die neue Regel aufgestellt, dass Kandidaten, die herausgewählt wurden, eine zweite Chance bekommen können, nicht aber Kandidaten, die freiwillig aus dem Container geschieden sind - obwohl eigentlich gerade die umgekehrte Regel - wenn überhaupt - Sinn machen würde. Dieser Schritt macht einmal mehr deutlich, dass die BB-Kandidaten lediglich Figuren auf dem Schachbrett der Produzenten sind. Dass Marion ("Heulen reinigt die Seele") in der Zwischenzeit die Videoaufzeichnungen der Sendung gesehen hat, demzufolge genau weiß, wer wie zu ihr steht, und dadurch gegenüber ihren KollegInnen einen uneinholbaren Vorteil hat, widerspricht jeglichen Vorstellungen von Fairness. Gerade diese Ungerechtigkeit war Marions Vorteil. Die Zuschauer sind heiß darauf, Marions Rachefeldzug zu sehen. "Noch nie hab ich mich so auf die verduzten Gesichter der anderen gefreut", mußte auch Moderator Oliver Geissen Minuten vor Marions Einzug zugeben. Inzwischen wurden die RTL2-Zuschauer tatsächlich mit einigen fassungslosen Gesichtern und echten Tränen konfrontiert. Einige naive BB-Fans mögen gar das Gefühl haben, als hätten sie das Ruder in der Hand gehabt. Dabei hat in Wahrheit Endemol mit zahlreichen Styling- und Statement-Tipps Marion auf die Sprünge geholfen und durch die abstruse Neuregelung Marions Container-Comeback ermöglicht. Wer Schade, dass die für den 26.10. angekündigte Autogrammstunde bei Möbel Mutschler in Ulm aufgrund Marions Einzug, von dem der Webmaster noch keine Notiz genommen hat, ausfallen mußte. Hartgesottene Marion-Fans dürfen sich aber mit Sonja, der "ultimativen Showpartnerin von Containermaus Marion" (Maße: 86 - 65 - 87, Beruf: gelernte Friseurin) trösten, die am 11.11. in der Esslinger Großraumdisko "Knight-Move" während der "Big Brother-Party" strippt. Eintritt: 20 Mark. Fortsetzung folgt!
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