Ficken mit Mitarbeitern
Das Projekt www.landessexklinik.de von Felicia Zeller und Marion Pfaus

von Marko Schacher

Felicia Zeller und Marion Pfaus, alias Lotio F. und Rigoletti M., dürfen getrost als Multitalente bezeichnet werden. Die beiden Stuttgarterinnen und Wahl-Berlinerinnen schreiben Kurzgeschichten, Drehbücher, Theaterstücke und Gedichte. Parallel zu ihrem Studium an der Ludwigsburger Filmakademie gründeten sie das Institut der Ahnungslosen. Ihre erste, als Diplomarbeit entstandene CD-Rom “Mut der Ahnungslosen” gewann den Publikumspreis im Bereich “Neue Medien” des 12. Stuttgarter Filmwinters und war eine von zehn ausgewählten CD-Roms, die auf der ars electronica 99 in Linz liefen. Seit Anfang September 2000 sorgen die beiden mit ihrem neuen Internet-Projekt www.landessexklinik.de für Furore. Marko Schacher hat die Institution besucht und sich vom Angebot verzaubern lassen.

 

Wer jemals versucht hat, mit Felicia Zeller ein “normales” Gespräch zu führen, oder die 1998 zusammen mit Marion Pfaus entwickelte CD-Rom “Mut der Ahnungslosen” in seinem Laufwerk hatte, ist vorbereitet. Alle anderen dürften von der virtuellen Landessexklinik ziemlich überrascht sein. Nach der Begrüßung durch eine schwäbelnde Telefonistin führen Doktor Zeller und Doktor Pfaus, die beiden einzig anerkannten Ärztinnen der Landessexklinik, eindeitig zweideutige Körperbewegungen vor, die auf eine Paarungsbereitschaft des Gesprächspartners verweisen.

Zudem warnen sie vor falschen Ärzten, die man per Mausklick entlarvt, indem man sie anklickt und so sieht, ob die angeblichen Halbgötter in weiß nicht vielmehr exhibitionistisch veranlagte Halbperverse sind. Wer auf das Fragezeichen-Symbol klickt erfährt, wie Ficken, beziehungsweise Hartmut W. Ficken, geht. Im November wird der virtuelle Besucher darüber aufgeklärt wie “Ficken mit Mitarbeitern” aussieht. Herzstück der Landessexklinik ist aber der “Ficksimulator”, mit dessen Hilfe der User seine Bewegungseffektivität (BEFF) berechnen lassen kann. Wer den Cursor-Tasten richtig einheizt, kann die Brunnen sprudeln sehen.

Die Aktion “Beim Filmen gefickt” und einfühlsame Stellungstipps (“Reite den Kosaken”, “Gib mir deinen Mund”) runden das Angebot ab. Irgendwann soll “der längste Schwanz der Welt” zum Scrollen vorliegen, allerdings ist das Filmteam nach Nachfrage immer noch mit den Dreharbeiten beschäftigt. Die Talente der “Rampe”-Schauspieler, die für die Aufnahme der Sounds einen internen Stöhnwettbewerb ausgeschrieben hatten, haben Zeller und Pfaus ebenfalls überzeugt, so dass sie gerade am Überlegen sind, ob sie ihr Web-Projekt nicht mit einer halbstündigen Stöhn-Orgie veredeln sollen.

“Im Internet gibt es doch nur mp3 und Sex - die Landessexklinik ist unser Kommentar dazu”, begründet Felicia Zeller den hehren Hintergrund des Projekts. Das zunächst als “Sexklinik am ZKM” in Kooperation mit dem Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie geplante Projekt wurde nach dortigem “internen Gerangel” (so Zeller) nun innerhalb zweimonatiger Entwicklungszeit zusammen mit dem Stuttgarter Programmierer Frank Amos erstellt und von der Feuerseee-Software Gmbh gesponsort.

Die Weltpremiere fand am 2. September im Berliner Café Warschau. Am 30. September stellten die beiden Medienkünstlerinnen ihr Projekt auf sehr charmante Art in Frank Amos’ Firma vor. Nach einer in Stewardessen-Deutsch vorgetragenen Menüführung per Videobeamer artete die Präsentation in eine Karaoke-Show aus.

Watch out for the article in LIFT 11/00

 

www.foyazee.org/IdA
www.landessexklinik.de

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