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Viel Lärm um nichts von Marko Schacher
Hast Du keinen Hype, dann inszeniere einen, scheint das Motto der Macher der RTL2-Reality-Soap Big Brother zu sein. Seien wir ehrlich: Klar schauen wir ab und an in Deutschlands angeblich berühmtester WG vorbei. Doch während die erste Big Brother-Staffel den Neuheitsbonus verbuchen konnte und mit Zlatko zudem einen erheiternden Proll-Spaß-Faktor aufwies, langweilen die neuen Bewohner des 153 Quadratmeter großen Containers nur. Sticheleien, Mobbing und Lästereien nerven uns bereits am Arbeitsplatz, wieso sollen wir uns die im Fernsehen anschauen? Inmitten der ganzen Inselduelle, Expeditionen Robinson, Maulwürfe und Real Worlds hat sich die für den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie "Beste Unterhaltungssendung" nominierte Grundidee längst tot gelaufen. In der ersten Staffel wurde wenigstens noch nackt
geduscht. Mittlerweile trauen sich die meisten nur im Bikini unter Dusche
und Kamera. Auch der Badezuber im Garten hat bisher nicht zu den erhofften
Badeorgien geführt. Statt gemeinsamer Abspül-Sessions haben sich die Bewohner
darauf geeinigt, dass jeder sein Plastikgeschirr selbst spült. Aber: Die
peinlichste Person der WG stammt aus diesmal wieder aus dem Schwabenländle.
Im begleitenden Big Brother-Magazin, das vor kurzem noch von
der Stuttgarter Cultfish Entertainment GmbH (alias Dino-Verlag)
herausgegeben wurde und jetzt von der Heinrich Bauer Smaragd KG
vertrieben wird, wurde Dass die 28-Jährige aus Reutti bei Neu-Ulm vor Kameras und in der Gruppe zur Heulsuse mutiert, die in bilderbuchhafter Öko-Manier alles ständig ausdiskutieren will, hat uns niemand gesagt. Wen interessiert es, dass Marion nach Eigenaussage nie Unterwäsche trägt, wenn sie gleichzeitig im Schlabberpulli, wirren Haaren und verheulten Augen durch die WG eiert. Auch die nach der Nominierung unter fadenscheinigem Vorwand eingestreute Striptease-Einlage konnte die schwäbelnde Jungfrau nicht vor dem Rausschmiß aus dem Container per Publikumsentscheid retten. Wenigstens bleibt uns aller Voraussicht nach eine
Schallplattenaufnahme mit Marions Krächzgesang erspart. Während sich die
Medien, Schallplattenproduzenten und Filmregisseure um Doch auch mit uns, den Zuschauern, meint es die Welt nicht gerade gut. Zugegeben: Oliver Geissen und Aleksandra Bechtel, die samstags auf RTL Big Brother - die Entscheidung moderieren, sind ein weitaus flotteres Gespann als Percy Hoven und Sophie The Kermit Rosentreter. Dass deshalb aber die Nominierungen live, in voller Länge und mit zahlreichen uninteressanten Studiogästen und viel Bla-Bla auf zweieinhalb Stunden gezerrt werden müssen, ist weniger erfreulich. Auch die von Maike Tatzig moderierte, frühmorgendlich zu Big Brother - das Quiz aufgemotzte Wiederholung gehört zum Langweiligsten, was die TV-Welt bisher erlebt hat. Unterbelichtete RTL2-Zuschauer, die nicht einmal die einfachsten Fragen beantworten können, um sich an der Win-Wall einen Gewinn zu holen, grottenschlechte Spieler, die nicht einmal links oder rechts sagen können (vielleicht weil sie den Unterschied nicht kennen), um ihre Spielerfigur über den Bildschirm zu steuern, und peinlicher Pseudo-Small-Talk lassen selbst hartgesottene BB-Fans zur Fernbedienung greifen. Während man als Betrachter der ersten Staffel tatsächlich das Gefühl hatte, an der Entscheidung über die WG-Zusammensetzung beteiligt zu sein, haben die Großen Brüder hinter der Reality-Soap inzwischen unverhohlen das Ruder in ihrer Hand. In den allabendlichen RTL2-News wird ganz offen gegen bestimmte BB-Bewohner (zuerst gegen Marion, dann gegen Stefanie) gewettert. Auch Maike Tatzig hält ihre Meinung nicht hinterm Berg und hat so lange über Stefanie gelästert, bis diese auch tatsächlich mit satten 76,22 Prozent vom Publikum nominiert wurde. Dass man sich als Begrüßungsgeschenk auf der offiziellen
Weitaus interessanter als das momentane TV-Geschehen
sind die Reaktionen, die Big Brother in der Theaterszene und
in der Galerienlandschaft ausgelöst hat. Nachdem diverse Theatergruppen
das Nominierungs- und Abschuß-Prinzip persifliert haben, veranstaltet
nun die Pro Arte Ulmer Kunststiftung in der Ulmer Galerie
im Kornhauskeller eine Gruppenausstellung unter dem Titel Und...Tschüss
- Wir stellen aus - Sie stellen raus. Dort hatten die Ausstellungsbesucher
die Möglichkeit, jede Woche fünf KünstlerInnen hinauszuwählen, während
die Verbliebenen den freigewordenen Raum der Ausstellung mit neuen Arbeiten
auffüllten. Jeweils sonntags, nachdem die Ausstellung umgebaut worden
ist, fand eine Diskussionsrunde mit dem Publikum, eingeladenen Gästen
und den Künstlern statt.
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