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Harald Schmidt-Show in Stuttgart produziert von
Holger Wölfle
Du bist erst vor wenigen Tagen aus dem Urlaub zurückgekommen. Wo bist Du gewesen? Ich war 3 Wochen in Griechenland - mein erster Urlaub seit 5 Jahren. Sind die harten Jahre des Aufbaus jetzt vorbei? Ja, wir sind inzwischen eine etablierte Agentur. 1997, als
ich nach abgeschlossenem Studium mit meinem Kommilitonen Günther
Löw die Internetagentur Wie vollzog sich der Übergang vom Studenten zum Unternehmer? Hattest Du schon Erfahrung im IT-Bereich? Günther Löw hatte bereits umfangreiche Erfahrung in den Bereichen Netzwerktechnik und Internet. Ich habe mich nach dem Studium für eine Weiterbildung entschieden, weil ich ich im IT-Bereich gute Zukunftsperspektiven sah. War eure Startup-Phase mit großen Schwierigkeiten verbunden? Wir hatten uns von Anfang an für die Unternehmensform einer GmbH entschieden. Damit verbunden war natürlich auch ein großer Kapitalbedarf. Außerdem hatte ich keinerlei Hardware, die ich in die Firma einbringen konnte. Wie habt Ihr das Kapital beschafft? Über einen Kredit. Schlau gell? Für junge Agenturen ist es oft schwer, geeignete Kunden zu akquirieren. Hattet Ihr vor der Gründung schon Kontakte geknüpft? Nein, wir hatten keinerlei Kontakte. Glücklicherweise bekamen wir eine Anfrage der Degerlocher Agentur "KOM". Relativ "unbeleckt" im Bereich Internet suchte die "KOM" einen Partner für den Online-Bereich. Wie kam dieser Kontakt zustande? Wir haben die "KOM" über unseren Vormieter kennengelernt, das war einfach Glück. Kurzfristig haben wir dann auch unseren ersten Auftrag bekommen: eine CD-Rom für den Einkaufsverbund "Sport 2000". Das war ein Level, mit dem wir erst viel später gerechnet hatten. Wir wollten als Kunden zunächst Mittelständler aus der Region gewinnen. Für SPORT 2000 haben wir dann gleich wieder in Zusammenarbeit mit KOM den Internetauftritt realisiert. Die Anforderungen an eine Internetagentur werden heute immer spezifischer. Gefragt sind heute nicht mehr die "Hinterhofbastler", sondern kompetente Partner, die auch an einer Datenbankanbindung nicht scheitern. Inwieweit seid Ihr dahingehend vorbereitet? Diesbezüglich sind wir nicht nur gut vorbereitet, sondern haben sehr viel Erfahrung, da wir von Beginn an in dieser Richtung gearbeitet haben. Eines unserer ersten Projekte war die Umsetzung des Werkzeugkataloges der Firma "Trumpf" in Ditzingen auf CD Rom. Ein wichtiger Kunde ist die Den Auftrag bekamen wir im Frühjahr diesen Jahres.
Wir waren für den gesamten Relaunch der Internetseiten der Harald
Schmidt Show zuständig. Wir haben das Projekt entsprechend der Vorgaben
von Hat es eine Rolle gespielt, dass Harald Schmidt dein Bruder ist? Mein Bruder ist an Aranex beteiligt, Er hat sein Projekt mit seiner Firma umgesetzt? Hat Harald Schmidt konzeptionell mitgewirkt? Die Ideen kamen von allen Seiten. Das Gesamtkonzept entwickelte sich innerhalb mehrerer Meetings bei Bonito, der Produktionsfirma der Harald-Schmidt-Show. Unsere Aufgabe bestand darin, das Konzept internetgerecht umzusetzen. Das alte Konzept war sehr an die Show gebunden. Wir wollen die medienspezifischen Möglichkeiten besser nutzen und ein von der Show unabhängigeres Konzept verwirklichen. Gibt es schon Ansätze für die Zukunft. Wie wird die Seite in fünf Jahren aussehen? Wird die Trennung zwischen Web und TV noch möglich sein? Fünf Jahre brauchen wir da gar nicht. Es gibt morgen
ein Meeting in Köln. Seit die Mitarbeiter der Welche wesentlichen Veränderungen habt Ihr in die Konzeption eingebracht? Zunächst ist hier die grafische Konzeption zu nennen.
Die Schmidt-Show arbeitet viel mit "Ich hab in der Zeitung gelesen",
mit dem Verarbeiten von Informationen, die seriös an den Zuschauer
gebracht werden. Die alte Seite war sehr schön, aber sehr spielerisch,
eine Comedyseite eben. Wir haben den (ironischen) Informationscharakter
der Seite mehr in den Mittelpunkt gestellt. Als Designpartner haben wir
das Stuttgarter Designbüro "75a" ins Boot geholt. Neu sind
auch die Livecams. Eine feste im Soll die Talkshow-Kultur damit entzaubert werden? Es ist ein Spaß. Es geht nicht darum, zu sagen: "Schau mal, wir sind alle nur Menschen". Es soll keine Dokumentation sein. Der Gag ist, Harald Schmidt einmal nicht im Anzug zu sehen, sondern das ganze Drumrum ein bisschen beobachten zu können. Wird sich die Zusammenarbeit mit Sat1 fortsetzen? Ja, wir werden auch künftig für die Seiten der Harald-Schmidt-Show zuständig sein. Ihr habt unter anderem das Projekt Wir haben in Koproduktion mit der Agentur "Nullzeit" an einem offiziellen Pitch teilgenommen und haben mit dem besten Konzept gewonnen. Unsere Aufgabe bei diesem Projekt war die Realisierung des technischen Unterbaus. Welches ist die inhaltliche Ausrichtung des Projektes? "Netmuseum" ist im Wesentlichen eine Datenbank, in der alle nichtstaatlichen Museen Baden Württembergs zusammengefasst sind. Hier kann der User nach bestimmten Themen oder Ausstellungen suchen oder sich die Museen nach Themenbereich oder Region anzeigen lassen. Gab es Bestrebungen seitens der Betreiber von Netmuseum, mit staatlichen Einrichtungen zu kooperieren? Nein, "Netmuseum" ist auf nicht-staatliche Institutionen beschränkt. Meines Wissens nach ist eine Kooperation mit staatlichen Institutionen nicht geplant. Du hast an der Universität Stuttgart Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften studiert. In welcher Weise ist Dir Dein Studium zugute gekommen? Oder gibt es keinerlei Berührungspunkte? Betreffend der technischen Anforderungen, die mein Job mit sich bringt, hat mir mein Studium nicht geholfen. Allgemein kommt mir mein Studium im beruflichen Alltag aber sehr zugute. Man lernt, sein Gehirn ordentlich zu benutzen. Es gibt keine Herausforderung, die ich systematisch mit Methode angehen würde und für die ich am Ende nicht ein adäquates Lösungskonzept entwickeln könnte. Siehst Du in der heutigen Zeit ein Studium als Basisqualifikation, unabhängig von einem bestimmten Abschluß? Ja, mit Sicherheit. Allerdings halte ich ein Studium, dass nur wegen eines bestimmten Berufswunsches studiert wird, für äußerst langweilig. Wenn mich der Inhalt nicht packt, dann laß ich es lieber. Kam die Entscheidung für das Fach Kunstgeschichte spontan zustande? War es eine Entscheidung aus Leidenschaft? Nein, es war keine spontane Entscheidung. Ich hatte schon einmal an der Universität Tübingen angefangen, wieder aufgehört um dann noch einmal anzufangen. Es war eher eine Rückkehr nach nochmaliger Überlegung dann aber eine absolut leidenschaftliche Geschichte. Ich habe nie auf ein Berufsziel hin studiert. Ich hätte mir sonst schon viel früher mit Praktikumsplätzen eine Stelle aufbauen müssen, wie das ja heute so üblich ist. Bei mir war es immer rein inhaltlich. Danach hab ich die Laufbahn als Kunsthistoriker schnell verworfen und mich umorientiert. Zu welchem Thema hast Du abgeschlossen? Ich habe meine Magisterarbeit zum Thema "Neue Möglichkeiten der Großstadtmalerei" geschrieben. Man spricht ja vom Elfenbeinturm der Wissenschaft. Siehst Du Probleme betreffend der Umsetzung in der Praxis? Man sagt Geisteswissenschaftlern ja oft nach, dass sie sehr analytisch sind. Aber wenn es um die Verknüpfung in der Praxis geht, können Sie ihre Erkenntnisse nicht umsetzen. Ich weiß nicht, ob ich typisch oder repräsentativ bin. Ich glaube, das ist schon ein Problem der Geisteswissenschaftler. Der Physiker oder BWLer hat einen größeren Praxisbezug während seines Studiums. Du hast sehr lange studiert? 16 Semester. War es die inhaltliche Fülle und das Interesse, das Dich so lange an der Universität gehalten hat, oder fehlte die entsprechende Motivation? Ich hatte zwei Hauptfächer und habe wesentlich mehr gemacht als erforderlich gewesen wäre. Ich habe kein Semester vergeigt. Neben meinem Studium habe ich zudem für meinen Lebensunterhalt gearbeitet. Das ist eine Geschichte, die man häufig vergißt, sonst hätte ich mein Studium sicher 3-4 Semester früher abgeschlossen. Wie siehst du die Einstellung der Dozenten zu den neuen Medien? Werden die Lehrinhalte in den klassisch-geisteswissenschaftlichen Fächern den neuen Bedürfnissen und Möglichkeiten angepasst? Ich bin eigentlich zu lang weg, da sind fünf Jahre Welten. Ich kenne da niemanden mehr. Vor kurzem habe ich einen Professor getroffen, der mittlerweile emeritiert ist, und habe ihm erzählt, was ich mache. Er erwiderte, Computer und so seien für ihn garnix . Mehr kann ich da nicht sagen. Hast du heute noch Kontakte zur regionalen Kunstszene? Hast Du noch Zeit und Muse, dich mit Kunst zu beschäftigen? Absolut, Kunst beschäftigt mich permanent. Das Interesse wird dann über das Fernsehen oder über Zeitungslektüre befriedigt. Es ist wirklich schwierig, wenn man selbstständig ist, auch am Wochenende was zu tun hat, sich an die üblichen Öffnungszeiten der Museen zu halten. Ich wollte zum Beispiel Sigmar Polke sehen und habe es nicht geschafft, weil ich es einfach vergessen habe. Man hat mir dann letzen Sonntag gesagt: "Das war mal". Eigentlich würde ich gerne viel mehr machen. Ich befriedige meine Bedürfnisse über das Internet, beispielsweise um neue künstlerische Strömungen oder eine andere Art des Umgangs mit der Kunst kennenzulernen. Allerdings spielt die Stuttgarter Kunstszene nur eine kleine Rolle. Das liegt aber einfach daran, dass ich gerne wegfahre, wenn ich mal einen Tag frei habe, und mir woanders was anschaue. Deine Ausbildung entspricht der eines klassischen Kunsthistorikers. Die Ausrichtung der Kunst hat sich verändert, auch dadurch dass die neuen Medien Einzug gehalten haben. Die verschiedenen Bereiche verschmelzen mehr und mehr. Es ist schwierig, Kunst und Alltag zu trennen. Findest Du heute noch einen Zugang zur zeitgenössischen Kunst, oder bist du immer noch der klassische Kunsthistoriker, welcher versucht ist, klare Ordungssysteme zu entwickeln? Trotz meiner Ausbildung habe ich mich nie als klassischen Kunsthistoriker verstanden. Ich hatte immer einen Zugang zur modernen, zeitgenössischen Kunst. Meine Magisterarbeit hat sich damit beschäftigt, ob heute die Großstadt in der Malerei überhaupt noch darstellbar ist - ein Problem, das ich bis in die 70 er und 80 er Jahre hinein untersucht habe. Die Verschmelzung von Kunst und Alltag beobachte ich wie du auch und sehe es eigentlich sehr gerne. Denkst Du, man sollte diese festen Kategorien aufbrechen. Oder siehst Du damit den wissenschaftlichen Grundsatz gefährdet? Es war eben mal eine Methode, zu kategorisieren. Heutzutage, wo es nichts zu kategorisieren gibt, muss man es auch nicht zwanghaft versuchen. Da ist es mir eigentlich - wenn ich aus der Sicht des klassischen Kunsthistoriker argumentiere - völlig wurscht, wenn es nicht mehr geht. Dann besteht die Kategorie eben darin, dass es nichts mehr zu kategorisieren gibt. Welche Meinung hast Du zu Stuttgart als Standort innovativer Medienkultur? Was reizt Dich am Standort Stuttgart? Ich sehe, dass es hier genug zu tun gibt. Man muss nicht nach Köln oder Berlin gehen, um voll in die Medienbranche einzusteigen. Auch weiß ich manchmal nicht, was die Leute meinen, wenn sie sagen, die Stadt müsse mehr tun. In erster Linie war die Entscheidung für Stuttgart natürlich eine persönliche. Ob wir immer oder ausschließlich in Stuttgart bleiben, kann ich nicht sagen. Im Moment bin ich mit dem Umfeld hier sehr zufrieden. Die gewachsenen Strukturen gerade hier im Stuttgarter Westen, wo sich viele Agenturen, Grafiker, Tonstudios etc. niedergelassen haben, bieten ein wirklich gutes Umfeld für unsere Arbeit. Vielen Dank für das Gespräch
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