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Zwischen Printprodukt und Internetprojekt von Marko Schacher Die Frage ist berechtigt: Braucht die Menschheit Kunstzeitschriften? Während sich dutzende von Musikfachblättern und TV-Journalen in den Zeitungskiosken tummeln, sind die Kunstzeitschriften an einer Hand abzuzählen. "Artis" und die "neue bildende kunst" mußten ihr Erscheinen einstellen, und auch "art" hat keine rosigen Verkaufszahlen. Ende 1996 hatten die Stuttgarter Carla Heussler und Claus Hoffmann nach nur dreimonatiger Vorlaufzeit und einer Nullnummer die Zeitschrift "Contour" ins Leben gerufen, die jedoch nur fünfmal erschien und Ende 1997 wieder eingestellt werden mußte. Reiner Brouwer, der zwischen 1983 und 1995 die Literaturzeitschrift "Flugasche" veröffentlichte und sieben Jahre lang als Herausgeber des Ausstellungsanzeigers "belser kunst quartal" Erfahrungen im Kunstgeschehen sammelte, ist dennoch zuversichtig und gibt - unterstützt von drei Mitarbeitern - seit Dezember 1999 "kunsttermine.de" heraus: eine Mischung aus Ausstellungskalender und Zeitschrift, die sowohl als Printprodukt als auch als Internetprojekt erscheint. Der Leser, beziehungsweise User kann aus neun "Kunsträumen" (Stuttgart, Frankfurt, München etc.) auswählen und findet neben einer alphabetischen Auflistung der Museen, Kunstvereine und Galerien mit den jeweiligen Anschriften, Internetadressen und Ausstellungen einige "Tipps", Stadtpläne, Verkehrsverbindungen und die Adressen der jeweiligen Tourist-Information. Herr Brouwer, woher kam die Motivation, sich ins Internet zu wagen? Reiner Brouwer: Man muß sich überlegen: Was fruchtet? Der Grafiker, mit dem ich zu Belser-Zeiten zusammengearbeitet habe, machte mir klar, daß ich auf dem Markt keine Chance habe, wenn ich nur einen "zweiten Belser" mache. Bereits über den Namen haben wir uns den Kopf zerbrochen. "kunsttermine.de" macht deutlich, um was es uns geht - um Kunsttermine in Deutschland - und signalisiert zweitens: Wir sind im Internet. Mittelfristig ist geplant, dass das Internet dem Printprodukt den Rang abläuft, wobei ein Vorteil der Druckversion sicherlich in dessen Handlichkeit liegt. Wie war das bei "Contour"? Carla Heussler: Internet wäre unser nächster Schritt gewesen. Wir hatten bereits Kontakt zu Webdesignern. Internet wäre eine Möglichkeit gewesen, uns populärer zu machen, denn großartige Werbung wie Anzeigen konnten wir uns nicht leisten. Letztendlich haben uns aber die geschrumpften Werbeetats der Kunstinstitutionen das Genick gebrochen. Warum kein reiner Internetauftritt? Reiner Brouwer: Ein reiner Internetauftritt wäre mir zu heikel. Ich kenne mich im Print-Bereich aus. Die Erfahrungen im Internet eignete ich mir in den letzten drei Monaten erst an. Carla Heussler: Ob ein Internet-Auftritt Sinn macht, hängt auch vom Klientel ab. Wir wußten zum Beispiel, daß unsere Abonnenten in erster Linie ältere Leute waren, die kein Interesse und keine Möglichkeiten hatten, ins Internet zu gehen. Im Gegensatz zu "Contour" ist der journalistische Gehalt von "kunsttermine.de" sehr gering. Befriedigt das? Reiner Brouwer: Ich habe schon während der Flugasche-Zeit gemerkt, daß mir das Verlegen, das Organisieren mehr liegt als das Schreiben. Die Stärke vom "belser kunstquartal" ist, dass es keine Meinung hat und lediglich sauber recherchierte Kunsttermine veröffentlicht. Den journalistischen Anspruch von "Contour" haben wir nicht. Wir wollen in erster Linie informieren - und zwar alle Kunstinteressierten, nicht nur die Elite, die einfach nur nach der nächsten Penck-Ausstellung schaut. Zusatzinformationen wie Anreisewege und Tourist-Informationen fanden sich bereits in "Contour"... Reiner Brouwer: Ein Ziel besteht darin, auch in den jeweiligen Tourist-Informationen präsent zu sein, aber die Konkurrenz ist dort immens. Doch eine bestimmte Verknappung macht das Produkt auch attraktiver. Wenn "kunsttermine.de" überall ausliegen würde, wäre es ein Ramschobjekt. Frau Heussler, wie beurteilen Sie die Chancen von "kunsttermine.de"? Carla Hussler: Ich finde die Idee, vor allem den parallelen Internetauftritt, prinzipiell gut. Ich selbst würde mir mehr redaktionelle Beiträge wünschen, finde es aber auch okay, wenn man lediglich objektive Termine veröffentlichen will. Ich hoffe, dass das ganze klappt. Dieser Artikel erschien in leicht veränderter Form in LIFT 1/00.
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