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Die Stuttgarter Webdesign-Firma "bits n'arts"

von Marko Schacher

Die Galerie Naumann war eine der ersten Stuttgarter Galerien, die mit einer eigenständigen Internetpräsenz überzeugte. Verantwortlich für den Web-Auftritt von Berhold Naumann und den zahlreicher anderer Institutionen wie der Kunststiftung Baden-Württemberg sind Ute Zeller und Hugo Meder, alias "bits n' arts". Marko Schacher stattete den beiden einen Besuch ab.

Am Anfang war das Wort: Ausgerechnet die in konservativer, schriftlicher Form festgehaltenen Künstler-Interviews, die der Stuttgarter Galerist Berthold Naumann seit jeher zur Kunstvermittlung einsetzt, brachte Ute Zeller auf die Idee, eine eigene Galerien-Webpage anzuregen: "Ich wollte diese ganzen Interviews schon lange als Buch haben. Doch eine Publikation wäre zu kostspielig gewesen." Die in Stuttgart lebende Künstlerin interessiert sich seit langem für den Einfluß verschiedener Medien auf den Betrachter. Ihr Lebenspartner Hugo Meder beschäftigt sich seit über zwanzig Jahren als Informatiker und Programmierer mit dem Computer und Multimedia. Zur schließlich Anfang 1999 erfolgten Firmengründung von "bits n`arts" war es also kein großer Schritt mehr.

Foto: Jörn Vogt

Eigenständige Internetprojekte | Auf der jetzigen Webpage der Galerie Naumann, die zeitgleich mit der in der Reinsburgstraße 114 eröffneten Ausstellung "www.galerie-naumann.de" im September 1999 unter selbiger Adresse im virtuellen Raum eröffnet wurde, finden sich die besagten Interviews in einem reich, aber nicht aufdringlich bebildertem Rahmen wieder. Auf dreidimensionale Galerieräume und unnötige Verzweigungen wurde bewußt verzichtet. Die Vögel und Meißener Porzellan darstellenden Ölgemälde von Kirsten Lampert und die mit Comic- und Renaissance-Motiven bedruckten und bemalten Folien von Hans-Ulrich Wagner können in miniatursierter Form betrachtet oder vergrößert werden. Jörg Mandernach, Andreas Opialka und Robert Heck haben zusammen mit den beiden Multimedia-Kuratoren eigene Projekte entwickelt. So präsentiert Heck seine mit "Andreas`Träume" betitelten Fotografien im Internet als Filmstills eines Drehbuchs, das erst durch gezieltes Anklicken und die Assoziationen des Users vollendet wird. Opialka hat sich für eine Art Dia-Show von im Computer erzeugten, aber ursprünglich als Tintenstrahlausdruck auf mit Schellack eingelassenem Büttenpapier realisierter Werke entschieden. Mandernach konfrontiert den Benutzer unter der Überschrift "Beweise" mit der Flachheit der Bilder und zeigt sich um die eigene Achse drehende Piktogramme. Hugo Meder ist sich den Gefahren der Internet-Präsentation durchaus bewußt: "Das Internet ist ein Medium mit ganz spezifischen Einschränkungen, aber auch eigenen Möglichkeiten. An sich halte ich es für unnötig, im virtuellen Raum dauernd unsere gewohnte 3D-Welt nachzuäffen. Die digitale Welt eröffnet uns Chancen, die wir in unserer realen Räumlichkeit nicht haben.

Im Mittelpunkt steht die Idee | Von "Pflichtübungen" und der Internetpräsenz um jeden Preis halten Ute Zeller und Hugo Meder nichts. Ute Zeller betont: "Im Mittelpunkt steht die Botschaft, die Idee." Bedenken von Seiten der Künstler versucht man durch Gespräche zu beseitigen. Hugo Meder: "Eine gewisse Skepsis war bei allen Künstlern da. Diese Zukunftsvisionen-Sülzerei vom Internet als zwingendes Medium der Zukunft war durchgängig nicht zu hören. Natürlich gab es auch Künstler, die uns sagten, daß sie mit dem Internet nichts anfangen können." So verzichtet die Künstlerin Franzisaka Bark, deren Arbeiten von der Stofflichkeit und Sensitivität des Materials leben, auf eine adäquate Übertragung ins Internet. Nach Meinung der beiden Pixel-Poeten sollte jedoch jede Galerie, vor allem diejenigen, die sich inhaltlich spezialisiert haben, an einer überregionalen Präsenz im Netz interessiert sein. Auch "Hausfrauenkunst" sei durchaus internet-kompatibel. Hugo Meder: "Ein wichtiger Aspekt ist die Haltung des Galeristen gegenüber dem Medium. Wenn inhaltlich eher fragwürdige Sachen mediengerecht und gut präsentiert werden sollen, kann das trotzdem interessant sein." Als Wunschkandidaten für weitere Projekte fallen die Namen Hammelehle/Ahrens und Rainer Wehr. Auf die Frage, ob Stuttgart eine geeignete Ausgangsbasis bildet, grinst Ute Zeller: "Klar, es gibt hier ja noch genug zu tun".

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel in LIFT 10/00.

Ute Zeller und Hugo Meder sind unter anderem für folgende Web-Auftritte verantwortlich:www.galerie-naumann.de,www.kunststiftung.de,
www.casamagica.de; weitere Infos unter Tel. 0711/615 95 76 und
www.bits-n-arts.de

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